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Nervös schlich sie wie eine Katze durch die Garderobe. Immer wieder setzte sie sich hin, um dann gleich wieder auf zu stehen. Noch nie zuvor hatte sie solch eine Unruhe in sich verspürt, wie vor diese Konzert. Die Zeit schien zu stehen und so quälte sie sich von Minute zu Minute immer näher an den Auftritt heran. Sie fühlte, wie sich die Angst immer weiter an die Front kämpfte und sie versuchte sich krampfhaft an die Worte von Izzy zu erinnern. Sie zog sich in eine Ecke zurück, Nahm sich ihren I Pod, suchte sich ihre Lieblingsmusik raus und stöpselte die Kopfhörer in ihre Ohren. Mit geschlossenen Augen und ihre angezogenen Beine umfassend, lauschte sie der Musik, die langsam wieder etwas Entspannung brachte. Die völlige Leere und die Unfähigkeit einen klaren Gedanken fassen zu können legte sich langsam. Überrascht horchte sie auf, als ein neues Lied zu spielen begann, was sie noch nicht kannte. Es mußte eins von denen sein ,was Izzy ihr mit seinem Laptop drauf gespielte hatte. Sie lauschten den Klängen der Musik und mußte schmunzeln. Es war so ganz andere Musik, als die, die er mit US5 machte. Es war schon komisch ,dass gerade so einer wie er es war, in einer Boyband mitmachte. Aber genau das machte ihn auch wieder aus. Er war offen für alles und probierte alles mögliche aus. Sie ließ in ihrem Kopf all ihre Begegnungen Revue passieren. Es machte sich ein angenehmes, beruhigendes Gefühl in ihr breit, als sie an die letzten Telefonate mit ihm dachte. Er hatte eine gewisse Ruhe in seiner Stimme und er fand die richtigen Worte um sie wieder anzutreiben ,weiter zumachen. Ihr kamen die letzten Sätze von ihm wieder ins Gedächtnis, wo er ihr sagte, dass sie heute Abend die Halle rocken sollte und einfach nur abfeiern, sie sollte zeigen ,dass sie sich nicht durch die Tokiofans einschüchtern ließ. Und er hatte verdammt noch einmal recht, sagte sie sich. Was wollten die denn? Wenn sie wahre Fans wären ,dann würden sie sich darüber freuen, dass ihr Star glücklich ist. Aber über ihre Beziehung zu Tom wollte sie jetzt gar nicht nachdenken. Sie wußte nur ,das sie dringenden Gesprächsbedarf hatten. Es stand einfach zu vieles ungeklärtes zwischen ihnen, denn sie konnte nicht verstehen ,warum er sich so locker gab, wo sie immer wieder Angst hatte. Sie fühlte sich von ihm nicht ernst genommen, denn er zog die ganze Situation immer wieder ins lächerliche, sie solle sich nicht so einen Kopf machen, es wäre ja alles gar nicht so schlimm und das würde sich mit der Zeit geben. JD bemerkte, wie sich ihre Laune wieder verschlechterte, aber das wollte sie nicht, sie wollte wieder gut drauf sein. Schnell suchte sie sich das Lied ,was Izzy ihr drauf gespielt hatte wieder und drehte ihre Lautstärke noch etwas mehr auf. Sie rief sich sein Gesicht ins Gedächtnis zurück und versuchte seine Berührungen nach zu fühlen. Sie sehnte sich in seine Umarmung zurück, die ihr soviel Wärme und Zuneigung gab. Dort fühlte sie sich beschützt, niemand konnte ihr was anhaben, zumindest fühlte es sich für sie so an. Er strahlte eine gewisse Stärke aus, wo sie sich einfach wohl fühlen konnte. In seiner Gegenwart bzw. wenn sie alleine waren, konnte sie ganz sie selbst sein. Er wußte ihren Schutzwall, den sie sich mühsam in den letzten 2 Jahren aufgebaut hatte, einfach zu durchbrechen. Für ihn war es ein leichtes ihr wahres Ich zu erreichen.

Erschrocken fuhr JD zusammen, als sie eine Hand auf ihrem Arm spürte. Sie öffnete die Augen und sah direkt in Sarahs besorgten Augen. "Ist alles Ok mit dir?" Fragte diese leise. JD nickte und mußte grinsen, denn scheinbar war sie tatsächlich etwas weg gedöst. In ihr war aber das gute Gefühl zurückgeblieben, was sie mit Izzy verband. Sie machte ihren I Pod aus und erhob sich. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass das Konzert nun unmittelbar bevor stand. Alle Mitglieder von Wild Confusion kamen zusammen und vereint wurde mit einem Schlachtruf verkündet, dass es nun los ging.

Gemeinsam gingen sie hinter die Bühne. Das Lampenfieber stieg bei allen wieder an und JD fragte sich zusätzlich noch was sie jetzt wohl erwartete. Leon nahm seinen Platz am Schlagzeug ein, schlug die ersten Takte an und das Konzert begann. Wie erwartet konnte sie auf Plakaten lesen, dass sie die Finger besser von Tom lassen sollte, aber sie versuchte das weitestgehend zu ignorieren.

Die ersten beiden Lieder waren schnelle Nummern um das Publikum richtig anzuheizen. Die dritte Nummer war die neue Ballade. JD nahm auf Dem Barhocker platz. Nun war sie den Fans quasi ausgeliefert, denn diese Nummer sang sie alleine. Sie spürte, das eine gewisse Unruhe im Publikum vor sich entstand. Die Musik begann und sie konzentrierte sich auf ihren Einsatz. Kaum das sie das Lied angestimmt hatte, wurde es laut vor ihr. Es waren die Tokiofans, die sich scheinbar doch besser organisiert hatten, als sie es erwartet hatten. Mit Trillerpfeifen versuchten sie JD zu stören. Sie schloss die Augen und rief sich die Erinnerung , die sie mit diesem Lied verband zurück. Sie sah vor ihrem geistigen Auge wie Izzy und Carly am Bühnenrand gestanden hatten. Sie hatte sein leuchtenden Augen im Kopf und sie fühlte sich gut. In ihr machte sich eine Gleichgültigkeit breit. Es war ihr egal, was die paar mit ihren Trillerpfeife machten, sie war für ihre Fans auf die Bühne gekommen und die hatten es sich verdient, mit ihrer Treue und ihrer Geduld so lange vor ihren Auftritten zuwarten, eine gute Show zu sehen. Sie brachte ihr Lied zu Ende, bedankte sich bei ihren Fans und zeigte den Pfeifern ihren Mittelfinger, was bei ihren Fans Jubel und Applaus auslöste. Diese Reaktion löste in ihr ein Glücksgefühl aus und sie sog es auf. Es beflügelte sie und sie legte eine grandiose Show hin, was so keiner erwartet hatte. Es schien als hätte sie sich wieder gefangen. Hatte sie nun die Stärke gefunden ,die sie benötigte um die weiteren Auftritte zu meistern ?

 

 

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Das Konzert verlief relativ normal und ruhig. JD hatte sich schlimmeres in ihrer Phantasie ausgemalt und war erleichtert, dass es nicht eingetroffen war. Nachdem sie geduscht hatte, suchte sie sich ihr Handy und wählte gut gelaunt Izzys Nummer, sie freute sich darauf seine Stimme hören zu können. Es dauerte einen Moment bis dieser ran ging. Er merkte sofort, dass es gut gelaufen sein mußte. Sie war locker und lachte sogar. Es freute ihn und er machte ihr Mut, dass auch die weiteren Konzerte mindestens genauso harmlos ablaufen würden. JD genoß es seine Stimme zu hören. Sie vermisste ihn und ihr kam die Idee, dass sie unbedingt an der Weihnachtsshow arbeiten mußte und dann auch wieder mindestens ein Treffen mit Izzy und den Jungs anstand, denn sie würden ja proben müssen.

Gleich nachdem sie sich schweren Herzens von Izzy verabschiedet hatte und gerade ihr Handy wegstecken wollte ,klingelte es. Sie nahm den Anruf entgegen und ihr gute Gefühl und ihre Laune sanken ab. Es war Tom und darauf hatte sie jetzt eigentlich keine Lust, denn die letzten Telefonate waren alles andere als positiv verlaufen. Sie erzählte Tom wie das Konzert abgelaufen war und was auf den einzelnen Plakaten gestanden hatte. Sie erwähnte auch die Pfiffe, die sie bekam, wenn sie ihre Soloparts sang. Am anderen Ende wurde es immer stiller und sie fragte sich innerlich ,ob er überhaupt noch zu hörte. Aber er hörte zu und irgendwie hatte er nicht gedacht, dass es wirklich so ausarten konnte. Das hatte er nicht gewollt. Er hatte es die letzten Tage ziemlich auf die leichte Schulter genommen und es tat ihm jetzt leid. Er hatte nach dem letzten Streit ein intensives Gespräch mit Georg geführt, der ihm doch ziemlich deutlich machte, dass er sich falsch gegenüber JD verhielt und er das Verhalten seiner Fans nicht auf die leichte Schultern nehmen sollte. Die Argumente, die Georg vorbrachte waren einfach unumstößlich. Er hatte recht und als sie sich dann noch gemeinsam in diversen Tokio Hotel Foren umsahen und lasen, was die Fans so an Ideen hatten ,wie sie JD das Leben schwer machen wollten, überkam ihn ein richtig schlechtes Gewissen. Es waren Sätze wie, dass sie Tom vor der Schlampe beschützen wollten, komme was wolle, gefallen. Es hatte ihn geschockt und die Augen geöffnet. Mit einem Mal war ihm bewußt geworden, dass er ihre Gefühle total mißachtet hatte. Er hoffte nur ,dass nichts von dem, was er im Internet gelesen hatte, eintreffen würde. Unruhig hatte er den ganzen Abend gewartet, bis das Konzert seiner Meinung nach vorbei sein mußte. Er rechnete dann noch etwas Zeit dazu, die sie wohl brauchen würde bis sie bereit war um zu telefonieren. Als er dann das ersten Mal versuchte sie zu erreichen, war bei ihr besetzt. Innerlich vermutete er das sie wieder einmal mit Izzy telefonieren würde. Das war auch eines ihrer Streitthemen gewesen. Er war eifersüchtig. Aber wenn er so darüber nachdachte. Er hatte ihr in den letzten Tagen nicht wirklich zur Seite gestanden und da war es wohl normal, dass sie sich einen anderen Gesprächspartner suchte. Aber es wurmte ihn, dass es ausgerechnet Izzy war. Er wußte das sie ihn sehr mochte. Das hatte er schon bei der ersten Begegnung gemerkt. Sie verstanden sich gut und in seinen Augen eigentlich sogar zu gut. Aber er hatte sich in letzter Zeit auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Er wollte sich mit ihr Treffen und so alles klären ,was zwischen ihnen stand. Außerdem war eine Entschuldigung fällig, dass war ihm nach Georgs Standpauke klar geworden. Er spürte, dass ihre Laune sank. Sie war definitiv enttäuscht von ihm. Um das Ganze abzukürzen kam er gleich zur Sache. Er ließ sie kurz erzählen ,wie es gelaufen war und eröffnete ihr dann, dass er sie sehen wollte. Er hatte ein paar Tage frei und wollte sie mit ihr verbringen. Es kam ihr sehr gelegen. Die Zeit würde sie zum Reden nutzen. Sie war sich der Beziehung nicht mehr sicher, aber sie wollte auch nicht einfach aufgeben, denn das Verhalten von den Fans spornte sie auch an nicht so einfach aufzugeben. Sie war sich zwar nicht sicher ,ob sie überhaupt noch was empfand, aber das würde sie ja dann herausfinden, wenn er die Tage mit ihr verbrachte.

Der Abend verging und sie waren bereits auf dem Weg in die nächste Stadt. JD hörte wieder die Musik von Izzy und sah gedankenverloren aus dem Fenster des Busses. Es war bereits spät nach Mitternacht und die Müdigkeit überkam sie. Von dem puschenden Glücksgefühl, was sie nach dem Auftritt hatte ,war nicht mehr viel über geblieben, aber sie wollte jetzt nicht mehr im Bus schlafen und so nahm sie sich ihr Laptop und begann weiter an der Showplanung zu arbeiten. Sie hatte das Bild einer Tanzshow vor Augen, wo sie das ein oder andere Element eventuell übernehmen wollte. Sie ging ins Internet um nach Material von der Show zu suchen. Als sie sich in der Adressleistenauswahl verklickte, gelangte sie auf eine Tokio Hotel Seite. Sie war schon ewig nicht mehr darauf gewesen und es hatte sich einiges getan dort. Es war ein Forum und sie klickte sich durch diverse Threads. An einem Thread blieb sie hängen. Dieser Thread war über sie und alleine der Titel verhieß nichts gutes. Sie wurde dort als Bandschlampe tituliert und das war noch harmlos im Gegensatz zu dem, was dort diverse Tomfans gepostet hatten. Sie spürte wie sich ein Kloß in ihrem Hals bildete und der ihr langsam die Luft zu atmen nahm. Ihr Magen begann zu rebellieren. Sie schob ihr Laptop zu Seite und eilte zur Bustoilette. Kaum hatte sie die Tür geschlossen, da sie spürte wie ihr Magen den Rückwärtsgang einlegte. Bea, die ihr gegenüber gesessen hatte, guckte ihr erstaunt hinterher. Ihr Blick fiel auf JDs Laptop ,was immer noch geöffnet auf dem Tisch stand. Sie drehte es zu sich und das was sie da zu lesen bekam erklärte JDs Reaktion. Es war einfach geschmacklos und unfair, wie über sie geurteilt wurde. Sie würde dort aufs übelste beschimpft und auch Drohungen waren dabei. Angst machte sich in ihr breit und sie rief Sarah und Leon zu sich um es ihnen zu zeigen. Alle starrten auf das Laptop und keiner bemerkte, dass JD wieder zurück war. In ihr stieg die Wut hoch, wie konnten sie nur denken, dass ... .

 

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In ihr stieg die Wut hoch, wie konnten sie nur denken, dass sie an ihr Laptop durften? Sie drückte sich an ihnen vorbei und klappte es wortlos zu. Keiner wagte etwas zu sagen, denn sie konnten JD ansehen, dass es in ihr brodelte. Mit einem leisen"die können mir nichts", verließ sie die Runde und ging in ihre Schlafkoje. Erstaunt sahen die anderen ihr nach. "Wenn das so weiter geht, wird sie daran zerbrechen, Es ist doch nicht normal, dass sie wütend ist, aber nix sagt. Das ist nicht JD," grummelte Leon. "Was ist, wenn die Fans wirklich was planen," fragte Bea leise und sah unsicher in die Runde. Nachdenklich zuckte Sarah mit ihren Schultern. Bea holte nun ihr Laptop hervor und suchte verschiedene Tokio Hotel Forum Seite raus. Während der restlichen Fahrtzeit lasen alle drei was dort so über JD geschrieben wurde. Sie waren sprachlos, traurig und erschüttert darüber wie sehr Fans hassen konnten. JD lag währenddessen in ihrem Bett und ließ stumm die Tränen laufen. Sie hatte die Jacke von Izzy im Arm und hielt sie fest umklammert. Sie wünschte sich mehr denn je aufzuhören. Es sollte sie niemand hassen, so etwas wollte sie einfach nicht. Erschöpft schlief sie irgendwann ein. Sarah wollte sie holen, als der Bus am Hotel angekommen war. Sie zog vorsichtig den Vorhang ein Stück zurück. Es trieb ihr fast die Tränen in die Augen, JD dort so zusammengekauert mit der Jacke im Arm liegen zu sehen. Sie mußten schleunigst eine Lösung finden.

Sarah ließ JD schlafen und ging zu den Anderen zurück. Sie berichtete kurz, dass JD schlief und sie beschlossen, sie nicht zu wecken. Leon und Gregor, ein langjähriger Freund der Familie und "Mädchen für alles" während der Tour, beschlossen ebenfalls im Bus zu übernachten.

JD hatte unruhig geschlafen und war dementsprechend früh wach. Sie bemerkte ,dass sie immer noch im Bus lag, dieser aber stand. Sie schob langsam den Vorhang zur Seite und guckte den Gang entlang. Gegenüber von ihr war der Vorhang ebenfalls offen und sie konnte Leon dort liegen sehen. Leise erhob sie sich. Es war merkwürdig, denn eigentlich war doch geplant im Hotel zu schlafen. Sie ging zur Küchennische und machte sich einen Cappuccino. Mit diesem zog sie sich in die Sitzecke zurück. Ein Blick aus dem Fenster hatte ihr gezeigt, dass sie irgendwo auf einem Parkplatz standen. Gregor hatte bemerkt, dass JD aufgestanden war und gesellte sich leicht verschlafen zu ihr in die Sitzecke, nachdem er sich einen Kaffee gemacht hatte. Schweigend saßen sie sich gegenüber. Die Unruhe von JD war unübersehbar, denn ihre Hände zitterten und sie frimmelte nervös an einem Kugelschreiber herum, der auf dem Tisch gelegen hatte. Seinen Kaffee langsam schlürfend beobachtete Gregor sie eine Zeitlang. Sie schien ganz im Gedanken zu sein. "sie können dir also nix?" griff Gregor ihren letzten Satz auf, mit dem sie ihr Laptop geschlossen hatte. Er redete nie um den heißen Brei herum. Er war sehr direkt und sehr ehrlich, dass war auch eine der Eigenschaften, die JD immer schon an ihm zu schätzen wußte. Sie blickte ihn an und ihre Augen füllten sich mit Tränen. "Nein!" Presste sie trotzig zwischen ihren Lippen hervor. Er lachte kurz ironisch auf. "Bist du in letzter Zeit mal an einem Spiegel vorbei gekommen? Guck dich doch mal an, dafür das sie dir nichts können, siehst du verdammt fertig aus. Statt zu kämpfen ziehst du dich immer mehr von deiner Familie zurück. Keiner wagt noch irgendwas zu sagen ,weil sie Angst haben, dass es verkehrt sein könnte. Mittlerweile würden sie sich über jede Reaktion von dir freuen, selbst wenn du ausflippen würdest, aber es kommt nichts von dir, du bist total ausdruckslos und gefühllos geworden " Er machte eine kurze Pause und trank einen Schluck. "Warum redest du nicht über deine Ängste, warum sagst du nicht, dass du dich ständig übergibst, weil es dich so belastet? Und ich meine jetzt nicht nur diese Sache mit den Fans." JD starrte ihn regungslos an. Tränen liefen ihr über die Wangen. "Weißt du was?" Sprach er dann leise weiter. "Ich vermisse die alte JD, die die den ganzen Tag am Lachen war, mit der man immer Quatsch machen konnte, die, wenn sie etwas störte, ihrem Ärger Luft gemacht hat, denn der konnte man wirklich NIX anhaben, aber die gibt es wohl nicht mehr." Er leerte den Becher und stand dann einfach auf und ließ JD alleine.

Sie guckte ihm nach wie er den Gang hinunter zu den anderen Sitzplätzen ging. Das waren harte Worte, aber ihr wurde bewußt, dass er recht hatte. Nach wie vor fiel es ihr unheimlich schwer sich ihrer Familie gegenüber zu öffnen und über ihre Gefühle zu reden. Sie hatte zwar gedacht, dass es nach der Dachgeschichte einfacher sein würde, da ja nun alle Bescheid wußten, aber sie konnte sich doch nur selten überwinden etwas aus sich heraus zu kommen. Einzig bei den Gespräche mit Izzy sprach sie aus, was sie beschäftigte. Aber der war ja leider zu weit weg. Außerdem gab es noch ein Thema, welches ihr im Kopf herum schwirrte , wo sie selbst bzw. gerade auch nicht mit Izzy drüber reden konnte.

Sie erhob sich von ihrem Platz, zog sich Joggingklamotten an und ging zu Gregor. "Können wir etwas laufen gehen?" Fragte sie diesen leise. Er legte seine Zeitschrift zur Seite und lächelte sie milde an. "Klar können wir", antwortete er und stand auf, um sich ebenfalls umzuziehen. Kurze Zeit später standen sie draussen vor dem Bus und machten sich auf den Weg. Es war ein tolles Gefühl. JD lief sich all ihren Frust von der Seele. Nach einer guten halben Stunde zügigem Laufen, fühlte sie sich befreit. Das Laufen hatte ihre den Kopf frei gemacht. Sie verlangsamte ihr Tempo und wechselte schließlich ins Gehen über. Schweigend lief Gregor neben ihr her. "Danke", flüsterte JD und guckte weiter gerade aus. "Schon Ok", gab Gregor zurück. "Nichts ist Ok," gab JD murmelnd zurück, " Gar nichts." "Hm, wegen Tom und den Fans?" "Auch", gab sie leise zurück. Was denn außerdem noch?" Er sah sie etwas irritiert an. Dann ging ihm ein Licht auf. "Izzy?"

 

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JD mußte schlucken. Stumm nickte sie. Gregor musterte sie von der Seite. "Was ist mit ihm?" Hakte er dann nach. Schultern zuckend überlegte JD, wie sie es sagen sollte und ob sie es überhaupt Gregor anvertrauen konnte. Allerdings wenn nicht Gregor, wem denn dann? Sie holte hörbar Luft und sprach es dann einfach aus. "Wir haben miteinander geschlafen und..." , sie stockte und es kämpften sich bereits wieder die ersten Tränen an die Oberfläche. "Und was ?" Wollte Gregor wissen und hoffte innerlich ,dass sie nicht das sagen würde , was ihm gerade in den Sinn kam. "Und ... naja, ich bin seit 5 Tagen überfällig", brach es aus JD raus. Gregor stoppte und hielt sie am Arm fest um ihr in die Augen zu gucken. Sie konnte seinem Blick standhalten und er wußte, dass sie ihn nicht anlog bzw. vergackeiern wollte. "Shit ,Babe und du denkst, dass du schwanger sein könntest?" flüsterte er und als sie vor lauter Tränen nicht mehr antworten konnte , zog er sie ohne eines weiteren Kommentars an sich. In seinem Kopf raste es. War das der Grund dafür, dass sie sich in den letzten Tagen immer wieder übergeben hatte? Und dass sie so reizbar und anfällig für jede Provokation war.

Nachdem sich JD wieder einigermaßen beruhigt hatte, löste sie aus der Umarmung und ging langsam weiter. "Vielleicht ist es ja auch nur der Stress", murmelte sie, "wäre ja nicht das erste Mal, dass ich meine Tage dann später bekomme", fügte sie dann noch hinzu. "Aber der Gedanke ,dass du eventuell doch schwanger sein könntest, ist schon da. Habt ihr nicht verhütet?" Fragte er vorsichtig nach. "Nein, war etwas zu spontan, als dass wir an so etwas gedacht hätten," gab sie verlegen zu. Gregor mußte grinsen, auch wenn es eigentlich nicht lustig war. Er kannte solche Situationen. "Was hast du jetzt vor? Brauchst du einen Test?" Ging es ihm durch den Kopf und sah sie fragend an. Nachdenklich starrte JD etwas vor sich hin. "vielleicht sollte ich noch bis zum Wochenende warten, wenn sie dann nicht da ist, dann mach ich einen Test", seufzte sie schließlich. "Ok, aber wenn was ist, sag Bescheid, ja?" Bot Gregor ihr an. Sie nickte und lächelte ihn leicht an. "Mach ich ,aber sag nix den anderen, Ok?" "Klar", gab er zurück und gemeinsam legten sie die letzten Meter zum Bus zurück. Kaum eingestiegen fuhr dieser los zum Hotel, wo JD sofort ihr Zimmer aufsuchte um zu duschen. Sie machte sich fertig und ging zum Frühstück. Der Lauf und das Gespräch mit Gregor hatten ihr gut getan. Sie war wieder etwas lockerer und konnte sogar zwischendurch lachen. Sie gab sich Mühe sich etwas mehr ins Geschehen einzubringen, aber dennoch glitten ihre Gedanken immer wieder ab. Was wäre nur ,wenn sie wirklich schwanger wäre, wenn es doch nicht der Stress war. Sie versuchte den Gedanken zu verdrängen, aber bei dem Gespräch mit Gregor hatte sie ihren Verdacht das erste Mal ausgesprochen. Es machte ihr Angst und eigentlich wollte sie noch gar nicht soweit denken. Gregor bemerkte , dass JD immer weiter abdriftete und ging zu ihr herüber um ihr kurz die Hand auf die Schulter zu legen und mit einem aufmunterndem Lächeln zu zeigen, dass sie nicht alleine war. JD nahm seine Geste wahr und lenkte ihre Gedanken wieder um. Nach einer kurzen Besprechung, wie der heutige Tagesablauf in etwas aussehen würde, gingen alle abermals auf ihre Zimmer um alle für den Tag nötigen Sachen einzupacken und sich bereit für die Abfahrt zu machen.

Die erste Station war ein Interview, bei einer Teeniezeitschrift, wo JD im Bus zurück blieb. Sie fühlte sich nicht in der Lage ein weiteres Statement zu ihrer Beziehung bzw. ihrer derzeitigen Situation abzugeben. Stattdessen nutzte sie die Zeit um etwas zu schlafen. Sie wachte erst wieder auf, als sich der Bus wieder in Bewegung setzte. Verschlafen gesellte sie sich zu den anderen und ließ sich berichten, was für Fragen bei dem Interview gestellt wurden. Natürlich hatten die Journalisten wissen wollen, wo sie war und wie es ihr ging. Ihre Familie machte auch keine Hehl daraus, dass es ihr im Moment nicht gut ging. Sie verurteilten das Verhalten der Tokiofans scharf und das machten sie in dem Interview auch sehr deutlich. Sie redeten noch weiter über das ein und andere bis der Bus schließlich hinter der Halle hielt. Auch heute war wieder ein Konzert angesagt. JD spürte wieder die Angst in sich aufsteigen ,als sie die ersten Fans erblickte. Sie war unheimlich mißtrauisch geworden. Früher war der Kontakt zu Fans was tolles gewesen und es hatte ihr immer viel Spaß gemacht sich mit ihnen zu unterhalten. Erst recht die Fans, die immer wieder da waren und mit denen man sich dann auch fast schon anfreundete. Einige wenige ,die schon seit der ersten Stunden der Familienband dabei waren, leiteten jetzt verschiedene Fanclubs. Und genau diese waren es ,die jetzt am Hintereingang auf sie warteten. Die Mädels warteten mit Spannung auf JD. Sie hatten in ihren Foren verschiedene Aktionen gestartet um so JD zeigen zu können, dass ihre Fans hinter ihr standen. Überwältigt sah sich JD die Geschenke und Briefe an, die ihr überreicht wurden. Es war ein tolles Gefühl und es baute sie wirklich auf. Sie wußte gar nicht, wie sie sich bedanken sollte, aber das war den Überreichern auch nicht so wichtig, sie hatten es geschafft, dass JD mal wieder am Strahlen war und sie zu spüren bekam, dass nicht alle Fans gegen sie waren. Nachdem sie geduldig jedem ein Autogramm gegeben hatte, ging sie mit ihren Geschwistern in die Halle. Welche, die schon seit längerem so etwas wie den Posten als Fanbeauftrage bekommen hatten, kamen mit. Leon und Sarah hatten sich mit ihnen in Verbindung gesetzt, da sie herausbekommen wollten, was eventuell noch so gegen JD geplant war. Diese hatten ihre Fühler ausgestreckt und sich in verschiedenen Foren um gehört. Das Ergebnis war nicht gerade toll, denn dank des Internets und des Handys ging die Verständigung unter den Fans verdammt schnell und nachdem das erste Konzert doch relativ ruhig verlaufen war, sprach alles dafür, dass es dieses Mal noch intensiver zu Störungen kommen sollte. Die Fanbeauftragten versprachen ihrerseits alles Mögliche zu tun um das Schlimmste abzuwenden und Sarah und Leon überlegten, was sie noch machen konnten. Es machte alle traurig JD gerade wieder etwas glücklicher zu sehen und zu wissen ,dass es heute oder auf einem der nächsten Konzerte wieder knüppeldick für sie kommen würde. JD war so mit dem lesen der Fanbriefe beschäftigt, dass sie von all dem nichts mitbekam. Sie trennte sich schweren Herzens erst wieder davon, als es zum Soundcheck ging. Nachdem dieser erledigt war, wurde gemeinsam gegessen. Während des Essens spürte JD Krampf artige Schmerzen in ihrem Bauch und sie eilte mit blassem Gesicht zur Toilette. Gregor registrierte das mit besorgter Miene und folgte ihr. Was war nur los?

 

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Es dauerte einige Zeit, bis JD wieder zum Essen zurück kam. Sie war zwar nach wie vor blass, aber dennoch schien sie fast schon fröhlich. Gregor sah sie fragend an. "Vergiss, wo drüber wir heute morgen gesprochen haben, das hat sich erledigt", grinste sie ihn an und nahm wieder Platz. Er nickte grinsend zurück, " Dann ist ja alles Ok". Es beruhigte ihn , das zu hören und auch von JD schien eine Last abgefallen zu sein. Sie wirkte befreiter. Schnell schaufelte sie den Rest , der mittlerweile kalt auf ihrem Teller lag in sich hinein und verschwand dann zum telefonieren.

Leicht verwirrt gucken ihr die anderen hinterher. "Diese Gefühlsschwankungen bei ihr, machen mich noch ganz fertig", brummte Leon, der irgendwie immer noch total unausgeschlafen war. Gähnend reckte und streckte er sich um dann zu entscheiden, dass es für ihn doch das Beste wäre sich noch einmal etwas hinzulegen. Sarah, die die halbe Nacht kein Auge zubekommen hatte, schloß sich ebenfalls an und so wurde eine allgemeine Mittagspause ausgerufen.

JD hatte sich währenddessen schon ein ruhiges Plätzchen gesucht ,von wo aus sie in aller Ruhe telefonieren konnte. Sie spürte wieder einmal die Nervosität, die sie eigentlich immer hatte, wenn sie ihn anrief. Schnell drückte sie auf ihre Tasten und hörte wieder das elendige Tuten. Mit ein paar tiefen Atemzügen versuchte sie sich etwas zu entspannen. Innerlich schallt sie sich mal wieder, warum sie immer so aufgeregt war, wenn es um ihn ging, er war doch schließlich nur ein Freund von ihr. Mit einem "hey Babe" wurde sie von ihm aus den Gedanken gerissen. Sie mußte schmunzeln. "Hey, ich hoffe , ich störe nicht", sprach sie leise. "Nein, wie kommst du da drauf?" Er mußte schmunzeln. Sie war einfach zu süß, wenn sie anrief. Naja, eigentlich fand er sie immer süß. Und zu seinem Erstaunen klang ihre Stimme , als ob sie richtig gut drauf wäre. Sie plauderten locker miteinander und flachsten herum. Er brachte das Gespräch auf die Weihnachtsshow und konnte ihr sogar das ein oder andere von ihr geplante entlocken. Sie fragte ihn sogar, ob er mit ihr ein Lied performen würde. Er freute sich riesig über ihre Anfrage und willigte sofort ein. Gemeinsam überlegten sie, was sie für ein Lied singen konnten. Gedanklich schwebte aber beiden etwas eigenes vor. Izzy war schließlich derjenige, der seine Gedanken aussprach und freute sich um so mehr , als sie wiederum zustimmte und ihm sagte, dass sie ebenfalls den Gedanken hatte. Sie verabredeten, dass beide sich was überlegen wollten und beendeten schließlich das Gespräch.

Die Ruhe in sich genießend dachte JD über das Gespräch nach. Sie freute sich wahnsinnig auf das nächste Treffen und war total gespannt auf das, was Izzy wohl so an Texter Qualitäten besaß. Er würde schreiben können, dass traute sie ihm zu und er hatte ganz am Anfang mal erwähnt, dass er ab und an, wenn es die Zeit noch zu ließ auch mal Gedichte schrieb, aber gelesen hatte sie noch nichts von ihm. Schmunzelnd erhob sie sich und begab sich auf die Suche nach Bea, denn sie wollte das Programm für die Weihnachtsshow jetzt so schnell wie möglich komplett fertig haben um baldmöglichst mit den Proben beginnen zu können.

Izzy saß noch eine Zeit lang auf der Couch, er hatte sich einen Block vom Tisch geangelt und versuchte seine Gedanken auf Papier zu bringen. Allerdings war der Gedanke für ein gemeinsames Lied einfacher gewesen, als es nun wirklich zu schreiben. Er wollte es nicht zu schnulzig werden lassen, aber es sollte auch einen weihnachtlichen Touch haben. Er kritzelte auf seinen Blatt herum und versuchte verschiedene Sachen, aber irgendwie fand er nicht so richtig den Anfang. Jay der ihm gegenüber saß und gelangweilt durch TV Programm zappte, mußte grinsen. Seit Izzy JD kennengelernt hatte ,war dieser um so einiges ausgeglichener geworden. Jetzt brach wieder etwas seine "zappelige" Seite durch. Das, was auch immer er wohl machen wollte, gelang scheinbar nicht so richtig und Jay merkte ,wie Izzy unruhig wurde. "Hey, was ist los?" Fragte er vorsichtig nach, als Izzy entnervt den Block zurück auf den Tisch beförderte. Izzy gab ein schnaubendes Geräusch von sich. Er erklärte, dass er einen Song schreiben wollte und es geplant war, diesen mit JD in der Show zu präsentieren. Aber irgendwie konnte er gerade seine Vorstellungen, die er hatte nicht umsetzen. Irgendwie fehlte ihm der erste Satz, der Anstoß. Jay mußte lachen. "Hey, bleibe locker, verbau dir das doch nicht mit deinem Ehrgeiz es perfekt machen zu wollen. Du schreibst doch sonst auch einfach nach Gefühl und das sogar sehr gut. Vielleicht solltest du in dich gehen und es dann einfach fließen lassen. Versuch die Gedanken und die Gefühle, die du mit JD verbindest, auszudrücken. Lese doch etwas in deinen Gedichten, die du schreibst, seit ihr euch kennt", grinste Jay Izzy an und erhob sich um in die Küche zu gehen. Als er wieder zurück kam, saß Izzy im Schneidersitz auf der Couch und las in seine Notizbuch, wo er immer seine Gedichte und seine Gedanken niederschrieb. Jay beobachtete ihn. Izzy war so vertieft, dass Jays wiederkommen gar nicht bemerkt hatte. Jedes seiner Gedichte, die er in der Zeit, wo er JD jetzt schon kannte, geschrieben hatte, verband er mit Erinnerungen an ihren Begegnungen, ihrer Gespräche und nicht zuletzt auch einfach nur mit ihr. Er sog die Gefühle, die ihm beim Lesen überkamen auf und machte sich dann ans Schreiben. Jay hatte recht gehabt. Jetzt wo er nicht mehr so krampfhaft an die Sache heran ging, lief es wesentlich besser. Schnell hatte er die ersten Teile fertig. Er verzog sich summend auf sein Zimmer um seine Notizen auszuarbeiten und zu vervollständigen. Stolz las er sich sein Endergebnis noch einmal durch. Er hoffte nur, dass es ihr gefallen würde und sie es wirklich nutzen konnten, denn es waren seine Gefühle, die er für sie empfand und mit in den Song eingeflossen waren.

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