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-101-
 
 
Gemeinsam liefen sie durch die Gegend. Trotz des eigentlichen Winters, war es ein wunderschöner sonniger Tag. Sie genossen es ihre Freizeit miteinander teilen zu können. Sie hatten sich einen etwas abgelegeneren Stadtteil ausgesucht und so hatten sie ein Gefühl von Sicherheit. Izzy scheute sich nicht einen Arm um sie zu legen und ab und an einen kleinen Kuss auf ihre Wange zu hauchen. Sie liebte die kleinen Gesten  von ihm. Ein glückliches Strahlen hatte sich auf ihr Gesicht gelegt und sie hatte das Gefühl, die ganze Welt umarmen zu wollen. Seit er ihr gesagt hatte, was er für sie empfand, hatte sie sich verändert. Ihre ruhige in sich gekehrte Art hatte sie abgelegt und sie war wieder das fröhlich lachende Mädchen, welches ihre Familie schon vor Jahren verloren geglaubt hatte.  Sie fühlte sich wie ausgewechselt und all  ihre Zweifel und Ängste schienen sich in Luft aufgelöst zu haben. Izzy hatte ihr immer schon Verständnis entgegengebracht und sehr viel Halt gegeben und so hatte sie es geschafft ihr Misstrauen anderen und auch gerade im speziellen den Fans gegenüber abzulegen. Nun war sie soweit, dass es sie nicht mehr störte und sie sich nicht mehr unwohl fühlte, wenn Izzy sie umarmte, sie Händchen hielten oder auch mal einen flüchtigen Kuss von ihm in der Öffentlichkeit bekam. 
Sie schlenderten durch mehrere kleine Gassen bis sie schließlich wieder auf eine belebtere Strasse kamen. Selbst dort hielt Izzy JDs Hand. Auch als sie an einer Gruppe weiblicher Teenager vorbeikamen, ließ er ihre Hand nicht los. Er  ging ganz entspannt mit ihr an dieser Gruppe vorbei. JD spürte die Blicke der Mädchen aus sich und als sie diese Gruppe passiert hatten konnte sie ein tuscheln vernehmen. Plötzlich war diese Unsicherheit wieder da. Sie traute sich nicht sich noch einmal umzudrehen, denn die Blicke dieser Mädel schienen ihren Rücken förmlich zu durchbohren. Sie konnte fühlen, wie Izzy ihr zur Aufmunterung die Hand leicht drückte, aber dieses Mal konnte diese Geste ihr das Unwohle Gefühl nicht nehmen. Sie liefen die Strasse weiter entlang und sie fragte sich wohin sie eigentlich gingen. Sie fühlte sich auf einmal so durcheinander, ihre Gedanken schienen sie wieder mehr und mehr einzunehmen. Sie blickte sich um und versuchte sich wieder auf ihre Umgebung, das hier und jetzt zu konzentrieren. Ein Blick zu Izzy sagte ihr, dass dieser scheinbar von all dem nichts mitbekommen. Er hatte zu telefonieren begonnen und als er bemerkte, dass sie ihn anblickte, schenkte er ihr ein Lächeln. Das verdrehen seiner Augen verriet ihr, dass es sich bei seinen Gesprächspartner um Mark oder Mike handeln musste. Er bemerkte ihre Nervosität und warf ihr einen fragenden Blick zu, aber sie schüttelte nur leicht den Kopf. Nein, sie wollte nicht, dass ihre Ängste sie übermannten und Izzy sich wieder um sie sorgen machte, wahrscheinlich hatte sie sich nur gerade wieder von den Erinnerungen an vergangene Zeiten übermannen lassen. Langsam  kehrte wieder Ruhe in ihr ein und sie wusste nun auch wieder, dass sie auf dem Weg zur Konzerthalle waren ,wo sie heute abend einen Auftritt haben würden. Kurz vor der Halle würden sie auf die Anderen treffen und die würden sie dann mit dem Van mitnehmen.
Sie bogen um die nächste Ecke und standen mit einem Mal vor einer Horde Mädchen, die sie auch sogleich belagerten. JDs Herz begann zu rasen. Die Panik war wieder da. Es begann ein Gerangel. Die Mädchen beschimpften sie. Sie spürte wie die Hand von Izzy aus ihrer glitt und er von ihr weggedrängt wurde. Die Gesichter der Mädchen kamen ihr vor wie Fratzen, die ihr was böses wollten. Sie fühlte sich so hilflos. Unfähig sich zu wehren, unfähig zu schreien, unfähig irgendwas zu tun. Die Stimmen wurden immer lauter und aggressiver, dass Gerangel immer heftiger und mit einem Mal spürte sie wie wohl jemand hinter ihr war und sie von hinten fest hielt. Nun begann sie wie wild um sich zu schlagen und zu schreien. Irgendwann vernahm sie leise Izzys Stimme, die nach ihr rief. Sie wurde immer lauter.  Die Gesichter um sie herum wurden immer dunkler und verschwanden schließlich. Ihr war schwarz vor Augen und das einzige was sie wahr nahm war Izzy Stimme, die beruhigend auf sie einredete. Ihr Herz schlug kräftig in ihrer Brust und ihr ganzer Körper zitterte. Langsam öffnete sie die Augen, doch sie konnte nur verschwommen die Umrisse von Izzy wahrnehmen. Schweißgebadet wachte sie vollends auf und klammerte sich an ihm fest. Tränen hatten sich den Weg nach oben gesucht und sie brauchte Zeit bis sie verstand, dass sie nur geträumt hatte. Izzy hielt sie fest umarmt und streichelte sie unermüdlich. Dabei summte er leise eine Melodie. Er wusste nicht so recht, was sie wohl geträumt hatte. Aber sie schien große Angst gehabt zu haben. Er hatte sich zu ihr gedreht und sie umarmen wollen, als er bemerkte, dass sie irgendwie unruhig war,  aber sie hatte wie wild zu schlagen und zu schreien begonnen. Es hatte ihn einiges an Kraft gekostet sie zu wecken. Nun lag sie weinend in seinen Armen und sie schien sich nur langsam zu beruhigen. Er konnte ihren Herzschlag spüren. Ihre Angst, die sich in ihren Augen wieder spiegelte. All das was er eigentlich nicht wollte. Er wollte sie nicht so voller Angst sehen und er fragte sich unwillkürlich, was sie wohl geträumt hatte. Sie konnte oder wollte jedoch nicht mit ihm darüber reden. Sie hatte ihm, ihrer Meinung nach,  schon so viele Gedanken bereitet, sie wollte ihn damit nicht auch noch belasten. Es war nur ein Traum, der die Gegenwart mit der Vergangenheit vermischt hatte. Zumindest versuchte sie sich damit zu beruhigen.  Eng an ihn gekuschelt, kamen sie wieder zum liegen. Er zwang sie nicht dazu ihm irgendwas zu erzählen. Er wusste, dass sie was auch immer sie beschäftigte, erst einmal mit sich selbst ausmachen würde. Sie wurde wieder ruhiger und irgendwann konnte er die Augen nicht mehr aufhalten.
JD konnte an seinen gleichmäßigen Atemgeräuschen vernehmen, dass er schlief. Sie hatte ein schlechtes Gewissen, dass sie ihn um seine kostbaren Stunden Schlaf brachte. Sie hingegen fand nicht in den Schlaf. Der Traum beschäftigte sie. Was wäre, wenn es doch an die Öffentlichkeit kommen würde, dass sie was miteinander hatten. Würde dann alles wieder von vorne beginnen. Wie würde sich das auf Izzy und seine Karriere auswirken? Und wie auf ihre Beziehung bzw. wenn sie denn überhaupt wirklich eine führen würden? JD beobachtete Izzy beim Schlafen. Nein, sie konnte und wollte ihm das nicht antun. Sie wollte sich nicht am Ende mit ihm streiten und ihm seine Zukunft versauen. Sie musste weg. Weg von ihm, weg aus seinem Leben. Es würde ihm vielleicht eine Zeitlang weh tun ,aber das war wahrscheinlich alles besser, als das was die Medien und die Fans ihm antun konnten. Sie fasste einen Entschluss, der ihr jetzt schon das Herz in zwei brechen ließ, aber es war einfach das Beste was sie machen konnte, zumindest redete sie es sich ein.
Langsam schlüpfte sie aus dem Bett um ihn nicht zu wecken. Leise suchte sie ihre Sachen zusammen und verstaute diese wieder in ihrem Gepäck. Mit ihren Straßenklamotten und   Schreibutensilien bewaffnet schlich sie ins Bad um sich dort umzuziehen. Unter Tränen schrieb sie ihm ein paar Zeilen. Sie versuchte ihm damit ihr Handeln zu erklären, auch wenn es ihr eigentlich unmöglich war. Ihr Herz brannte, als sie schließlich den Zettel auf ihr Kopfkissen legte und nach einem letzten Blick auf den für sie wundervollsten Mann, sich abwendete und leise das Zimmer mit all ihren Sachen verließ. Auf dem Flur setzte sie ihre Sonnenbrille auf um ihre verweinten Augen zu verstecken und machte sie sich eiligst daran den Fahrstuhl aufzusuchen. In der Lobby waren nur noch vereinzelt Leute, die sich nicht für sie zu interessieren schienen. Beim Portier gab sie eine Nachricht für ihre Geschwister ab um dann so schnell wie möglich das Hotel zu verlassen. Draußen stieg sie in ein Taxi, welches sie zum Flughafen brachte. Nur mit Mühe konnte sie ihre Tränen verbergen. Sie versuchte sich einzig darauf zu konzentrieren, dass sie jetzt einen Flug brauchte.
 Am Flughafen suchte sie sich einen Schalter. Sie beguckte sich kurz die Flugangebote. Die Dame am Schalter lächelte sie freundlich an und erkundigte sich nach JDs Flugwunsch. JD atmete tief durch. Dann sah sie der Dame in die Augen und sprach mit fester Stimme, „ ein One Way Ticket nach Helsinki, bitte.“
 
 
 
 
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Er hatte sofort gespürt, dass irgend etwas nicht stimmte, als er am Morgen erwachte. Er spürte, dass sie weg war. Ihn verlassen hatte. Aus Angst davor, dass sein Gefühl ihn nicht täuschte, traute er sich minutenlang nicht die Augen zu öffnen. Seine Hand hatte ihre Bettseite abgetastet und konnte sie doch nicht finden. Das Bett war kalt, sie war weg.
Unsicher öffnete er dann doch langsam die Augen und blinzelte, aber er konnte sie im Raum nicht ausmachen. Er schaltete sein Nachtlicht an, aber auch jetzt konnte er sie nicht sehen. Sein Blick glitt über die Stelle, wo bis letzte Nacht noch ihr Koffer gestanden hatte. Er war weg. Sie war weg!
Sein Herz begann laut und hart gegen seine Brust zu hämmern, fast so als wenn es raus wollte um selbst nach zu sehen. Seine Gedanken rasten und er konnte nicht klar denken. Er versuchte sich einzureden, dass sie vielleicht nur im Bad sei, kurz keimte Hoffnung in ihm auf, als er den Zettel auf ihrem Kopfkissen erblickte. Vielleicht hatte sie auch nur einen dringenden Termin und hatte einfach vergessen ihm davon zu erzählen. Mit zitternden Händen nahm er den Zettel an sich. Er konnte auf einem Blick erkennen, dass er sich irrte. Sie war weg. Hatte ihn verlassen.
Zig Mal hatte er nun schon ihre Nachricht gelesen. Seine Tränen hatten sich mit den ihren auf dem Blatt Papier vermischt. Jeder Buchstabe hatte sich in ihm eingebrannt. Ohne dass es überhaupt richtig begonnen hatte, war es auch schon wieder vorbei. Er konnte ihre Worte lesen, aber verstanden hatte er sie nicht. Sie hatte geschrieben ,wie sehr sie ihn liebte, aber doch gehen musste und er fragte sich, warum sie sich selbst so weh tat mit ihrem Handeln. Warum musste sie IHM solche Schmerzen zu fügen?
Er war doch immer für sie da gewesen, warum glaubte sie nur, dass ihre Liebe keine Chance hätte?
Er spürte, wie seine Trauer in Wut umschlug. Seine Gefühle fuhren Achterbahn mit ihm. Er war traurig, dass sie einfach gegangen war. Verletzt, dass sie nicht mit ihm über ihre Gedanken, über ihre Ängste gesprochen hatte. Aber er war auch wütend. Er war wütend auf sie, dass sie sich der Herausforderung nicht stellte, aber er war auch wütend auf sich, dass er sie mit seinem Liebesgeständnis wohl überfordert hatte. Warum hatte er sich nur leiten lassen, ihr zu sagen, was er für sie empfand. Warum war er nur so ein Idiot? Er hätte es doch besser wissen müssen, nach all dem was sie vorher hatte durchmachen müssen. Er hätte sich doch denken können, dass sie Angst haben musste.
Unsicher nahm er sein Handy zur Hand. Er wählte ihre Nummer. Das tuten in der Leitung schien endlos zu sein, doch dann war es plötzlich weg. Er hatte für wenige Sekunden die Hoffnung nun ihre Stimme zu hören, doch es kam nur das Freizeichen. Sie hatte ihn weggedrückt. Vielleicht ja nur unabsichtlich. So etwas konnte ja mal passieren, wenn man in seiner Tasche nach dem klingenden Handy suchte. Er wollte sie nicht so einfach aufgeben. Erneut erschien ihre Nummer auf dem Display und er könnte das Wählgeräusch vernehmen. Doch dieses Mal kam nur der Spruch, den er so gefürchtet hatte. Sie hatte ihr Handy ausgestellt. Die Enttäuschung und die Wut wurden übermächtig. Er pfefferte sein Handy an die Wand. In tausend Einzelteile lag es nun da und für einen Moment herrschte absolute Stille im Raum. Dann ließ er einen Schrei los. Er brüllte all seine Wut, seinen Frust raus. Vollkommend ausrastend schmiss er mit allem was er nur ergreifen konnte um sich. 
Es brauchte nicht lange, bis sich ein kleiner Menschenauflauf vor seiner Tür bildete, jedoch traute sich keiner ins Zimmer rein. Der Hotelmanager war bereits im Begriff die Polizei zu rufen und Mark und Mike hatten alle Hände voll zu tun, ihn davon abzuhalten.  Leon wollte bereits ins Zimmer stürmen, weil er JD darin vermutete, aber Sarah hielt ihn zurück. Sie hielt einen Brief in ihren Händen, der ihr an der Rezeption ausgehändigt wurde, als sie kurz unten war. „ JD ist weg,“ sprach sie ernst und sah Leon traurig in die Augen. „Sie hat alles hingeschmissen und ist weg,“ wiederholte sie ihre Aussage, als ob sie ihren eigenen Worten nicht glauben konnte. Alle verstummten. Nun konnten sich zumindest die Bandmitglieder ansatzweise vorstellen, was in Izzy vorging. Keiner wagte es nach dem Grund zu fragen, aber es war jedem bewusst, dass irgendwas vorgefallen sein musste.
Auf einmal herrschte vollkommene Stille im Raum. Vor der Tür versuchten die anderen zu lauschen, was nun drinnen vorging.
Drinnen hatte Izzy sein Notizbuch zu greifen bekommen. Er hätte es fast ebenfalls geschmissen, aber wie es wohl der Zufall wollte, fiel das  geklebte Gruppenbild, was JD mal für ihn gemalt und Charly zerrissen hatte aus seinem Buch. Vorsichtig hob er es auf und strich mit einem Finger über die Zeichnung. Er spürte wie seine Wut abflaute und das Bild gab ihm eine gewisse Nähe zu ihr. An einer Wand ließ er sich nieder. Zögernd begann er in seinem Notizbuch zu blättern. Viele Gedichte und Gedanken, die dort drinnen standen, waren seit der Zeit entstanden, seitdem er sie kennengelernt hatte.  Auf einer Seite war ein Foto geklebt, was sie beide zeigte. Chris hatte sie mal fotografiert, als sie am rumgealbert hatten. Am Ende hatten sie sich umarmt und diese Szene hatte Chris festgehalten. Nun flossen bei ihm wieder die Tränen. Er konnte einfach nicht verstehen, was die letzten Stunden mit ihnen passiert war. Nur am Rande nahm er wahr, dass jemand sein Zimmer betreten hatte. Es war Chris, der sich letztendlich in die Höhle des Löwen getraut hatte.  Ihm war die Situation vom letzen Ausraster noch bekannt und er wusste am meisten von Izzys Gefühlen zu JD. Er suchte sich einen Weg durchs Zimmer und schob einen Platz beim Bett frei um sich darauf nieder zu lassen. Schweigend beobachtete er Izzy. Er wagte es nicht ihn nach dem Grund zu fragen. Dieser kam langsam wieder zu sich. Traurig blickte er Chris an. Es war ihm egal, dass Chris ihn so sah. „Sie ist einfach abgehauen. Weg, einfach weg,“ wisperte er mit tränenerstickter Stimme und seine Augen bekamen abermals einen feuchten Glanz. Er wischte sich mit dem Handrücken über die Augen. „Warum? Was ist passiert?“ Hakte Chris leise nach. Izzy zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht.“ „Habt ihr euch gestritten?“ Setzte Chris neu an, doch Izzy schüttelte nur den Kopf. Er war nicht in der Lage zu sprechen ohne dabei erneut in Tränen auszubrechen. Er hatte seine Beine angezogen und nun legte er seinen Kopf auf seine Knie. Chris ließ ihm Zeit sich zu sammeln. Ihm war klar, dass er sich nur ansatzweise  vorstellen konnte, was für Gefühle Izzy gerade durchlebte. Die Liebe, die Izzy für sie empfand, war dagegen auf einen Blick sichtbar. Um so unverständlicher war es für Chris, dass sie nun einfach gegangen sein sollte.
Izzy schien die Gedanken von Chris gespürt zu haben. „Wir haben einen tollen
Abend miteinanderverbracht und dann ich habe ihr gesagt, was ich für sie empfinde und dass ich mit ihr  zusammen sein möchte,“ begann Izzy die letzten Stunden zu erklären. „Sie hat mir geschrieben, dass sie mich so sehr liebt und eigentlich auch gerne zusammen wäre, aber trotzdem ist sie gegangen. Ich versteh das nicht,“ gab er kopfschüttelnd von sich.
Chris dachte nach, er konnte sich auch nicht erklären, warum sie so gehandelt hatte, aber ihm kam ein Gedanke, womit es zu tun haben könnte. „Vielleicht hat es ja was mit dem ganzen Theater wegen der Beziehung mit Tom zu tun, also das was da mit den Fans abgelaufen ist,“ gab er zu bedenken. Izzy wusste es nicht. Im Augenblick konnte er gar nicht nachdenken. Er fühlte sich einfach nur leer. Er fühlte nichts mehr außer Trauer und Enttäuschung. Sein Herz schmerzte wie nie zuvor und er wusste nicht wie er das aushalten sollte. Sie war weg, hatte ihn einfach verlassen. 
 
 
 
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Eine angenehme Wärme umhüllte sie und fast schon instinktiv versuchte sie sich näher an Izzy zu kuscheln. Es brauchte einen Moment bis sie realisierte, dass sie ja gar nicht neben ihm lag. Die Erinnerungen der letzten Stunden kamen wieder hoch. Sie hatte ihn verlassen. War in ein Flugzeug gestiegen und war sogar aus dem Land „geflohen“, nur um ja genügend Abstand zu ihm zu haben. Vorsichtig guckte sie sich um, denn das Letzte, wo dran sie sich erinnern konnte war, dass sie vor dem Haus ihrer Familie gesessen hatte. Es war verdammt kalt gewesen, aber sie hatte einfach keine Kraft mehr gehabt, sich noch auf den Weg zumachen um sie eine andere Unterkunft zu suchen. Bei ihrer überstürzten Abreise hatte sie ganz vergessen, dass ihre Mutter mit ihren 3 kleineren Geschwistern ebenfalls auf Tour war. Sie begleiteten ihren „Stiefvater“ und wollten dann alle zusammen die Tage zwischen Weihnachten und Silvester in ihrem Haus in Deutschland verbringen. Es ging aber auch alles schief hatte sie noch geflucht und sich etwas auf den Treppen ausruhen wollen, doch dann verdunkelten sich ihre Erinnerungen und nun war sie hier, aber wo war hier? Sie blickte sich um. Es schien kein Krankenhaus oder so etwas zu sein. Dafür war das Zimmer zu persönlich eingerichtet. Sie richtete sich leicht auf. Auf dem Sessel, der in der Ecke des Raumes stand, saß ein junger Mann. Er hatte ein Laptop auf einem kleinen Beistelltisch vor sich stehen und tippte darauf rum. Nun schien er zu bemerken, dass sie wach war und schaute auf. Ein mildes Lächeln legte sich auf seine Lippen. „Hey, Schlafmütze. Wie geht’s?“ Sprach er leise und schob den Tisch etwas beiseite. JD ließ sich zurück in die Kissen fallen. Ja, wie ging es ihr überhaupt? Darauf konnte sie keine Antwort geben, denn sie wusste es nicht. Sie schwieg einen Moment. „Wie komm ich hier eigentlich her?“ Überging sie dann einfach seine Frage und drückte die Decke etwas zur Seite damit sie ihn auch liegend sehen konnte. Er schmunzelte. „Du weißt das nicht mehr? Wow, dann warst du aber schon weit weggetreten.“ Gab er erstaunt von sich. „Letzte Nacht hat es ziemlich gestürmt hier und ich guck doch immer nach dem Haus, wenn  deine Familie verreist ist, aber das weißt du doch.“ Er schaute sie lächelnd an, doch dann nahm sein Gesicht ernste Züge an. „Du hast Glück gehabt, denn das war ganz schön gefährlich da so in der Kälte zu sitzen und zu schlafen, du hättest erfrieren können,“ bracht er besorgt hervor. „Danke Finn,“ wisperte sie, aber gedanklich fügte sie hinzu, dass es vielleicht besser gewesen wäre zu erfrieren. Es war fast so, als ob er ihre Gedanken gehört hätte, denn seine Miene verfinsterte sich für einen Moment, aber er sprach nicht aus, dass er glaubte, dass es ihr egal war, ob sie gestorben wäre. „Was ist passiert?“ Setzte er erneut an. Dass er längst wusste, dass es was mit einem Izzy zutun hatte und sie überstützt abgereist war, verschwieg er ihr. Er wollte versuchen, ihr vertrauen zu gewinnen und das würde nur möglich sein, wenn er vorgab nichts zuwissen. Ansonsten würde sie sicherlich blocken, so gut kannte er sie dann doch schon. Er war zwar mit ihrer Schwester zusammen und wenn sie sich sahen, hatte er auch nur Augen und Ohren für diese, aber die eigensinnigen Züge von JD kannte er. Er wusste, dass sie sich sehr zurückgezogen hatte und  Izzy ein, wenn nicht sogar der Grund war, warum sie doch wieder mehr aus sich heraus gekommen war. Aber so wie er sie vor dem Haus vorgefunden hatte, musste etwas entscheidendes passiert sein.
JD schwieg. Sie versuchte einfach nicht an die letzten Stunden zu denken und erstrecht nicht an die, die sie mit Izzy verbracht hatte, denn zu dem Zeitpunkt war sie so glücklich wie nie zuvor. Es war das, was sie sich in kitschigen Momenten zusammengesponnen hatte, als sie ihn kennengelernt hatte, aber dass es wirklich mal soweit kommen würde, dass er ihr seine Liebe gestehen würde, damit hätte sie nicht gerechnet, denn eigentlich war er doch auch so gar nicht der Typ für so was, dachte sie zumindest. Um so mehr wusste sie, wie Ernst es ihm damit war. Ihr wurde langsam bewusst, wie sehr sie ihn mit ihrem Abgang verletzt haben musste. Unaufhaltsam drangen Tränen in ihre Augen. Sie hatte dem wichtigsten Menschen in ihrem Leben wahrscheinlich das Herz gebrochen, denn sie wusste, dass sein Liebesgeständnis ihm nicht leichtgefallen war. Immer unaufhaltsamer flossen die Tränen und sie konnte nichts dagegen tun, denn ihre Nerven lagen einfach nur blank.
Finn erhob sich von seinem Sessel. Ohne zu wissen, was nun eigentlich genau vorgefallen war, wusste er doch, dass es was entscheidendes gewesen sein musste. Er ließ sich vorsichtig neben ihr nieder und zog sie in seine Arme um sie zu trösten. Vollkommen aufgelöst krallte sie sich an ihm fest und es war nur ein Herz zerreißendes Schluchzen von ihr zu vernehmen. Geduldig wartete Finn schweigend ab, bis sie sich langsam wieder etwas beruhigte. Er strich ihr sanft über den Rücken und versuchte ihr ein Gefühl von Vertrauen und Geborgenheit zu geben. Er hatte keine Idee, wie er sie zum Sprechen bekommen sollte, aber er musste es einfach hinbekommen, darum setzte er erneut an. „Sag, was ist los? Du kommst doch nicht ohne Grund mitten in der Nacht hierher um dann vor verschlossenen Türen zu sitzen und fast zu erfrieren. Was ist passiert?“ Besorgt sah er sie an.
Sie schluchzte und eigentlich konnte sie keinen klaren Gedanken fassen. „Wir... Er... , “ erneut füllten sich ihre Augen. Sie atmete einige Mal durch und versuchte gegen die Tränen anzukämpfen. Finn angelte sich Taschentücher von dem Nachtschrank und reichte sie ihr. „ Ok, weißt du was? Du beruhigst dich jetzt erst Mal etwas und ich besorg uns was zu Essen und dann reden wir in Ruhe darüber, Ok?“ Er schaute ihr aufmunternd in die Augen. Und ein  kleines, aber dankbares Lächeln huschte ihr über die Lippen. Sie musste einfach mit jemandem sprechen und sie wusste, dass sie Finn vertrauen konnte. Aber trotzdem würde es ihr schwerfallen ihm von den letzten Stunden zu berichten, denn das war mit so vielen verschiedenen Gefühlen verbunden, dass sie Angst hatte. Ja sie hatte Angst vor all ihren Gefühlen, die sie in den letzten Stunden durchlebt hatte. Sie waren alle so geballt aufgetreten, vom absolutem Glücksgefühl bis hin zur absoluten Leere. Wie konnte sie das nur alles in Worte fassen?
Finn gab ihr die Zeit sich wieder etwas zu sammeln. Er hatte sich von ihr gelöst und war los um in der Küche für sie was essbares zu organisieren. Seine Kochkünste beschränkten sich allerdings auf eine Fertigbrühe und belegte Brote. Damit bewaffnet ging er zurück in das Zimmer, wo JD nach wie vor im Bett lag. Sie wirkte wieder etwas entspannter, aber diese äußere Erscheinungsbild täuschte nur, das spürte er deutlich. Der baute einen kleinen Klapptisch auf dem Bett auf und platzierte darauf das Essen. JD hatte sich aufgesetzt und musste schmunzeln. „Wenn das Bea sieht,“ flüsterte sie leise. „Psst, du wirst es ihr doch nicht verraten, sonst will sie das am Ende auch noch haben und meine Kochkünste sind doch ziemlich eingeschränkt,“ gab er scherzend zurück und ließ sich wieder neben ihr nieder. Gemeinsam aßen sie die Brote und tranken dazu die Brühe. „Ich habe das gar nicht verdient, dass du mich hier so umsorgst,“ murmelte JD, nachdem sie ihren  letzten Bissen runtergeschluckt hatte. „Sag nicht so was und was glaubst du, was deine Schwester mit mir macht, wenn sie herausbekommen würde, dass ich dich hier hungern, dursten oder frieren lassen wurde,“ gab er gespielt entsetzt von sich und stupste sie leicht an. Dann wurde er jedoch wieder ernst. Er stellte das Tischchen beiseite und JD wusste, dass es nun Zeit war um zu reden. Sie setzte sich mit ihrem Rücken da das Kopfteil und zog ihre Beine fest an sich. Finn machte es sich im Schneidersitz ebenfalls bequem und ließ kurz ihren Blick auf JD ruhen „Sag, was ist los. Warum bist hier?“
 
 
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Nun saßen sie schon seit Stunden auf dem Bett und redeten. JD hatte etwas Zeit gebraucht um das Ganze gedanklich zu ordnen, damit Finn verstand wo drum es ging. Sie begann zu erzählen, was sich alles ereignet hatte, als sie mit Tom zusammen war. Wie durch die Medien die Fans wind davon bekommen hatten und diese ihren ganzen Hass an ihr ausgelassen hatten. Wie sie auf den eigenen Konzerten ausgebuht worden war und wie sehr es sie verletzt hatte. Als sie an dem Punkt angekommen war, wo sie davon berichtete, dass Tom diese Reaktionen nicht so wahr nahm wie sie und alles runtergespielte hatte, traten ihr erneut Tränen in die Augen. Es schmerzte sie nach wie vor, daran zu denken, was auf dem Konzert passiert war. Dieses Erlebnis hatte sie so sehr aus der Bahn geworfen, dass sie nach wie vor sicher war, dass sie niemals wieder mit ihrer Familie auftreten würde. Es war einfach pure Angst, die sie spürte, wenn sie nur daran dachte.
Finn hörte ihr schweigend zu, konnte aber ihre Ängste förmlich spüren, die sie in sich trug. Bea hatte ebenfalls sehr unter diesem Erlebnis gelitten, denn was JD  nicht wusste, waren die täglichen Gespräche, die Bea mit Finn führte, weil sie selbst ebenfalls mit der Situation nicht klar kam. Geschickt lenkte Finn das Gespräch irgendwann auf Izzy und er konnte bei JDs Erzählungen ein leichtes Leuchten in ihren Augen entdecken, dieses schlug aber um, als sie an dem Punkt kamen, wo sie erklären sollte, warum sie die Nacht abgehauen war. Es wich einem traurigen Glanz. Als Finn spürte, dass sie kaum in der Lage war ein Wort herauszubekommen, gab er ihr zu verstehen, dass sie nichts sagen brauchte.
Das Reden bis zu diesem Punkt hatte ihr gut getan, aber nun ging auf einmal nichts mehr. Sie konnte einfach nicht wirklich begründen, warum sie es für richtig gehalten hatte, zu gehen. Für sie war nur klar, dass ihre Entscheidung eine entgültige sein sollte. Nach diesem schmerzhaften Gang, gab es einfach kein zurück mehr. Ihr war trotz eigener Schmerzen durchaus bewusst, wie sehr es ihn verletzt haben musste. Er hatte versucht sie anzurufen, vielleicht auch um eine Erklärung direkt von ihr zu hören, aber sie hatte nicht sprechen können. Sie hätte kein Wort herausbekommen und so hatte sie ihn weggedrückt und ihr Handy abgeschaltet. Das Finn sie aufgelesen hatte, war ihr großes Glück gewesen, auch das wurde ihr langsam klar. Wahrscheinlich wäre sie erfroren. Und auch wenn es ihr vor einigen Stunden noch egal gewesen wäre, so wollte sie  dann doch nicht von der Welt gehen.
Finn hatte sich erhoben und reckte sich nun ausgiebig. Sein Magen knurrte und er sah JD fragend an. „Hast du auch Hunger? Ich könnte uns was zu Essen machen.“ JD schüttelte den Kopf, aber auch ihr Bauch sprach eine andere Sprache und so gab sie sich geschlagen.
Finn legte ihr einige Handtücher aus Bett, damit sie sich im Bad frisch machen konnte und verabschiedete sich dann um das Essen zu bereiten.
JD ging ins Bad und als das heiße Wasser über ihren Körper floss, konnte sie sich endlich wieder spüren. Sie hatte, seitdem sie das Hotelzimmer verlassen hatte, das Gefühl gehabt, vollkommen leer und frei von jeglichen Empfindungen zu sein. Das Gespräch mit Finn hatte ihr gut getan und sie konnte etwas Licht in ihr Gefühlschaos bringen.
 
Es hatte lange gedauert, bis endlich die Erlösende  Nachricht kam, wo sich JD aufhielt. Nach dem Verschwinden hatte Bea das unheimliche Bedürfnis gehabt, reden zu müssen und so rief sie trotz der frühen Morgenstunde bei Finn. Nach dem Gespräch hatte dieser das Gefühl unbedingt bei dem Haus vorbeischauen zu müssen. Ok, er sah eh fast jeden Tag danach, ob alles in Ordnung war,. Vielleicht tat er es auch, weil es im eine gewisse Nähe zu Bea gab, die er sehr vermisste.
Sein Inneres hatten ihn einfach dazu getrieben, das Haus bereits einige Stunden früher als sonst aufzusuchen. Gleich nach dem er sie gefunden und versorgt hatte, rief er Bea zurück und berichtete ihr von seinem Fund. Erleichterung machte sich in beiden Bands breit, auch wenn es für Izzy kein besonders großer Trost war, so war er dennoch etwas beruhigt, dass es ihr gut zu gehen schien und sie unversehrt war. Er hingegen konnte nicht ausdrücken, wie es ihm ging. Er fand einfach keine Worte dafür. Mittlerweile war seine Wut abgeflaut und er fühlte sich wie ein Ofen, wo das letzte Stückchen Holz so langsam erlosch. Er war kraftlos. Unfähig sich auf irgendwas zu konzentrieren und so war er auch mehr körperlich als geistig anwesend, als sich beide Bands nach dem Frühstück trafen um den weiteren Verlauf der Proben und der Show zu besprechen. Gedanklich abwesend saß er in einer Ecke und starrte vor sich hin. Ihm war egal, was die anderen da redeten. Eigentlich war gerade alles egal, denn die wohl größte Liebe in seinem Leben hatte ihn einfach so verlassen, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Stumm erhob er sich von seinem Platz und verließ den Raum trotz der immer noch anhaltenden Diskussion. Diese verstummte nur kurz, als er ging, aber allen war bewusst, wie sehr ihn ihr überstürztes  Verschwinden zu schaffen machte.
Chris war ihm gefolgt, aber als er zu Izzy aufschloss und versuchte vom bleiben zu überzeugen, reichte ein Blick in seine Augen und Chris ließ ihn wortlos ziehen.
Kurz war er auf sein Zimmer gegangen, aber dort hatte er es einfach nicht ausgehalten. Ihm war, als wenn ihr Geruch nach wie vor im Raum hing und egal was er ansah er hatte dabei auch immer JD vor Augen. Er schnappte sich kurzerhand seine Jacke und verließ nun ebenfalls das Hotel.
Die klare, wenn auch kalte Luft tat gut. Seine anfangs noch großen und schnellen Schritte verlangsamten sich je weiter er sich vom Hotel entfernte. Er wusste nicht wie lange er gelaufen war, als bereits die Dunkelheit wieder einbrach und auch die Strassen immer menschenleerer wurden. Aber es musste schon einiges an Zeit vergangen sein, denn er begann die Kälte nun erheblich zu spüren. Und auch, wenn er nach wie vor keine Antworten auf seine Fragen finden konnte, so entspannte er sich dennoch etwas und er bekam den Kopf wieder etwas frei.
Er blieb kurz stehen um sich zu orientieren und machte sich dann langsam wieder auf den Weg zurück ins Hotel, wobei er hoffte keinen der anderen anzutreffen, denn dazu fühlte er sich irgendwie nicht bereit. Sie hatten Fragen an ihn, warum sie einfach gegangen war und diese Fragen waren sicherlich auch berechtigt, aber er kannte ja selbst die Antworten nicht darauf. Seine einzige Hoffnung lag darin, dass sie ihm vielleicht irgendwann doch die Chance geben würde seine Fragen zu beantworten, auch wenn sein Verstand ihm sagte, dass sie nicht zurück kommen würde, so hoffte er tief in seinem Herz doch darauf. Er wollte einfach nicht hinnehmen, dass ihre Liebe keine Chance haben könnte. Er glaubte, daran, dass es diese Chance gab und egal was für einen Preis er vielleicht zahlen musste, er würde alles tun um sie ebenfalls von dieser Chance zu überzeugen.
Sein Kampfgeist erwachte und jetzt brauchte er nur noch die passenden Ideen um an sie heran zukommen. Kurz spürte er eine leichte Euphorie aufkommen, doch dann kam wieder eine gewisse Unsicherheit auf. Vielleicht wollte sie ihn ja auch einfach nicht, vielleicht lag es ja nicht nur an den Fans und den Ereignissen während der Beziehung mit Tom. Vielleicht lag es einfach nur an ihn, dass sie sich doch nicht so zu ihm hingezogen fühlte, wie er es bei ihr tat. Vielleicht hatte er mehr in ihre Aussagen hinein interpretiert, als sie eigentlich hatte sagen wollen. Vielleicht hatte er sie schlichtweg mit seinem Liebesgeständnis überfordert? Seine erneuten Gedanken verwirrten ihn wieder und die Hoffnung, dass sich doch noch alles zum Positiven wenden könnte schwand. Wie nur sollte es nun weiter gehen? Er konnte auf gar keinen Fall mit irgendeiner ihrer Schwestern, diesen Auftritt machen. Er konnte gar nichts machen so lange er keine Antworten auf seine Fragen bekam, dass wurde ihm klar. Am Hotel angekommen schlich auf sein Zimmer und hing wieder seinem Gedankenchaos nach auf der Suche nach möglichen Antworten.
 
 
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Sein Zimmer sah überraschend aufgeräumt aus, zumindest im Vergleich zum Morgen, wo er seine Wut wieder einmal nicht im Griff hatte. Er löschte das Licht sofort wieder, da er dieses Zimmer eigentlich nicht ertragen konnte. Er fühlte sich so einsam und verlassen, aber was sollte er machen. Kurz dachte er darüber nach, ob  er Chris bitten sollte, mit in sein Zimmer zu ziehen, weil er diese Stille einfach nicht ertrug, aber dann kam ihm der Gedanke doch zu kindisch vor. Er ließ sich seufzend auf dem Fußende seines Bettes nieder und verbarg sein Gesicht in seine Hände. So verweilte er minutenlang bis es plötzlich leise an seiner Tür klopfte. Er haderte mit sich, ob er die Tür öffnen sollte oder doch lieber nicht, aber schließlich konnte er sich auch nicht ewig verkriechen und der ein oder andere hatte sicherlich noch Fragen an ihn, der er sich zwangsläufig irgendwann stellen musste. Da er sich sicher war, dass er eh keinen Schlaf finden würde, erhob er sich langsam und ging zur Tür um diese zu öffnen. Das grelle Licht auf dem Flur blendete ihn und er sah erst auf dem zweiten Blick dass es Bea war, die geklopft hatte, sich aber bereits schon wieder zum gehen abgewendet hatte. Langsam drehte sie sich um, weil sie das Geräusch einer sich öffnenden Tür vernahm. Traurig blickte sie ihn an und er schob die Tür etwas weiter auf, damit sie eintreten konnte. Sie blieb im Vorraum stehen und Izzy brauchte einen Moment, bis er  bemerkte, dass weiterhin, das Licht in seinem Zimmer aus war. Schnell drückte er den Schalter, bevor der die Tür wieder schloss.
Unsicher stand Bea mitten im Raum und sah sich um. Er ging schweigend an ihr vorbei um sich wieder aufs Bett zu setzten und machte sich innerlich schon auf eine Anklage bereit. Doch nichts kam. Stattdessen konnte er sehen, wie sie ihn kurz musterte und dann ihren Blick zum Boden sinken ließ. Als sie dann aufschaute waren ihre Augen mit Tränen gefüllt. Verlegen wischte sie sich über die Augen. Ein dicker Kloß bildete sich in seinem Hals, denn er erkannte, dass er nicht der Einzige war, der unter ihrer plötzlichen Abreise litt.  Wortlos stand er wieder auf um sie in seine Arme zu nehmen. Schluchzend krallte sie sich in seinem Shirt fest und nur mit Mühe konnte er seinerseits eine erneute Tränenattacke unterdrücken. Nachdem sich Bea wieder gefangen hatte, setzte er sich mit ihr aufs Bett. Schweigend betrachtete sie ihn und fragte sich innerlich, warum ihre Schwester ihn nur so überhastet verlassen hatte. Sie nahm ihrem ganzen Mut zusammen, denn sie hatte Respekt vor  ihm, nach dem er am Morgen sein Zimmer auseinandergenommen hatte. Sie kannte solche Ausraster auch von JD zu Genüge und hasste es, wenn sich Menschen nicht mehr unter Kontrolle hatten. Wobei Hass vielleicht etwas hoch gegriffen war, es machte ihr schlichtweg Angst. „ Was ist passiert, dass sie einfach so abgehauen ist?“ Fragte sie Izzy leise und sah ihm direkt in die Augen.
Ihr Blick sagte ihm, dass sie einfach eine Antwort brauchte, aber er wusste nicht, was er ihr sagen sollte. Schulterzuckend wich er ihrem direkten Blick aus. Er seufzte und suchte krampfhaft nach den richtigen Worten. Er konnte ihr doch nicht sagen, was sie die letzte Nacht gemacht hatten, zumal er sich sicher war, dass das nicht der Grund sein konnte, warum sie gegangen war.
Beas Blick lag weiterhin auf ihm und irgendwie konnte er spüren, dass sie ohne eine Antwort nicht gehen würde. Er atmete tief durch um dann ihren Blick aufzunehmen.
„Wir haben gestern einen tollen Abend miteinander verbracht. In meinen Augen, den tollsten, den wir bisher überhaupt zusammen hatten...,“ begann er langsam und ließ die letzten Stunden Revue passieren. „ Irgendwann war die Stimmung so...,“ abermals stockte er und versuchte das richtige Wort für den Moment seines Liebesgeständnisses zufinden. „Na ja, es war halt für mich der absolut passende, einfach perfekte Moment. Es hat halt alles gepasst und darum habe ich ihr gesagt, was ich für sie empfinde und dass ich gerne mit ihr zusammen sein möchte,“ brachte  er es dann doch raus. Bea musste schlucken, so etwas hatte sie irgendwie nicht erwartet, aber trotz ihrer Überraschtheit wusste sie, dass das nicht der Grund sein konnte, denn dass er ihr Herz schon vor langer Zeit erobert hatte, war gerade in den letzten Wochen, der Vorbereitung sehr deutlich geworden. Ohne ihn hätte sie wohl nicht den Antrieb gehabt, die Weihnachtsshow fertig zustellen. Um so mehr verwunderte es  sie, dass JD einfach so abgehauen war. 
Bea sah ihm an, wie schwer es ihm fiel, darüber zu reden, aber sie wollte und konnte einfach nicht locker lassen, sie musste wissen, was der Grund war.
„ Aber das kann es doch nicht gewesen sein, denn dann würde sie hier jetzt freudestrahlend mit uns sitzen,“ gab sie nachdenklich zurück und sah ihn erwartungsvoll an. „Wenn ich es wissen würde, warum sie weg ist, dann hätte ich es dir gesagt, aber ich habe wirklich keine Ahnung,“ schoss er schneller und härter zurück, als er eigentlich gewollt hatte. Bea schluckte und zuckte etwas zurück. Izzy nahm ihre Reaktion wahr und schall sich wieder einmal selber für seine aufbrausende Art. „ Sorry, aber ich weiß es wirklich nicht“ murmelte er und schaute sie entschuldigend an. Der traurige Ausdruck in seinen Augen ließ Bea erkennen, dass er wirklich nichts zu wissen schien. Izzy schloss kurz die Augen und versuchte seine innere Unruhe wieder etwas besser zu kontrollieren. Dann schoss ihm plötzlich die Situation von der Nacht wieder ein. „Sie hat geträumt. Es muss ziemlich schlimm gewesen sein, denn  sie hat um sich geschlagen und geweint, aber sie wollte mir nicht erzählen, was sie geträumt hat,“ gab er seine plötzlich zurückgekehrte Erinnerung Bea Preis. Mit einem undefinierbaren Blick hatte sie seinen Schilderungen über dieses Ereignis gelauscht. Das musste einfach der Grund für ihr verschwinden sein. Diese Alpträume hatte sie seit dem Vorfall mit den Fans fast regelmäßig gehabt. Auch wenn sie nie so ganz mit der Sprache herausgerückt war, was genau sie geträumt hatte, wenn sie nachts weinend hochgeschreckte, so  hatte sie Bea doch zumindest im Ansatz mal davon erzählt, dass es um Fans und um den Vorfall auf der Bühne ging. Sie berichtete Izzy von ihren nächtlichen Erfahrungen mit JD und dieser nickte zustimmend, genauso war es nachts auch bei ihm abgelaufen. Und was auch immer sie wohl geträumt hatte, es hatte mit Sicherheit was mit ihrem verschwinden zutun, da war er sich nun sicher.
Die Spannung zwischen den Beiden hatte sich gelegt und Izzy fühlte sich jetzt wieder etwas besser. In ihm keimte die Hoffung wieder auf, doch auf irgendeinem Weg noch einmal mit ihr Reden zu können. Er sprach seine Hoffnung über ein klärendes Gespräch aus und Bea versprach ihr möglichstes zu tun um ihm dieses zu ermöglichen.
Während sie über verschiedene Varianten nachdachten, klingelte Beas Handy. Mit den Worten, dass es Finn wäre, nahm sie das Gespräch entgegen. Dieser berichtete Bea über das, was er bis zu diesem Zeitpunkt in Erfahrung hatte bringen können. Bea nickte Izzy zu, als Finn ihr erzählte, dass es sich wirklich um den schon vermuteten Traum gehandelt hatte. Das fragende Gesicht brachte Bea trotz des ernsten Gesprächs zum schmunzeln. Sie brauchte einen Moment, bis ihr auffiel, dass sie auf  finnisch mit Finn sprach und Izzy nicht in der Lage war ihrem Gespräch zu folgen. Das nutzte sie dann aber um zu fragen, ob JD bereit sei zumindest kurz mit ihr zu reden.
Sie konnte hören wie Finn JD fragte, währenddessen erzählte Bea Izzy schnell, was Finn ihr gesagt hatte. Nach etwas Überzeugungsarbeit  seitens Finn konnte Bea vernehmen, wie JD das Telefon zur Hand nahm und ein leises Hallo von sich gab. Bea hatte zuvor noch kurz den Lautsprecher angemacht, damit Izzy zumindest mithören konnte, auch wenn sie sicherlich nicht mit ihm sprechen würde.
Izzy  musste unweigerlich schlucken, als er JDs leises Hallo hörte. Tränen drängten sich wieder an die Oberfläche und am liebsten hätte er Bea das Handy aus der Hand gerissen um persönlich mit ihr zu reden, aber er tat es nicht. Er tat es nicht, weil er nicht wollte, dass JD Bea nicht mehr vertrauen würde und er tat es nicht, weil er wusste, dass  er dann gar keine Chance mehr hätte an sie heran zukommen. Nach einem anfänglichen Smalltalk stellte Bea die so wichtigen Fragen. „Was ist passiert, dass du so überstürzt abgereist bist? Und wie soll es jetzt weitergehen?“



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