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Das Schweigen am anderen Ende schien ewig anzuhalten, zumindest kam es Izzy unendlich lange vor bis sie schließlich einen Schluchzer von ihr vernahmen. In Bea regte sich langsam Wut. Sie saß Izzy gegenüber, der nicht verstand, was falsch gelaufen war und sie sah als Familie und Bandmitglied wieder einmal eine Veränderung, die so nicht geplant gewesen war und somit die Pläne der nächsten Wochen wieder über den Haufen warfen. Auch wenn sie ihre Schwester war, die sie über alles liebte und auch ihre Ängste, was das Auftreten anging, verstehen konnte, so nervten sie die ständigen unerwarteten Änderungen nur noch an.
„Hör auf zu heulen,“ zischte sie in den Hörer. „Hör auf zu leiden, denn du bist doch wieder abgehauen, einfach so. Wenn du schon weg von Izzy musstest, hätte es dann nicht gereicht, das Zimmer zu wechseln? Musste es wieder so eine Aktion sein?“ Bea schimpft sich in Rage, sie konnte ihren Frust und ihre Enttäuschung einfach nicht länger verbergen. Als sie ihre aufgestaute Wut rausgelassen hatte, fühlte sie sich fast schon wieder schlecht, dass sie JD so runter machte. Aber es musste einfach mal ausgesprochen werden, denn das lastete mittlerweile auf der ganzen Band und so würde auch die Band daran kaputt gehen.
Izzy war hin und her gerissen, als Bea aus heiterem Himmel zu schimpfen begann. Zumindest konnte er hören, wie JD sich so langsam zu rechtfertigen begann. Seine erste Vermutung war ja, dass sie auflegen würde, als Bea so überraschend loslegte. Doch irgendwas an Beas Vortrag löste Gegenwehr in JD aus. Er verstand kein Wort von dem was JD von sich gab, denn sie war ins spanische gewechselt, aber der Klang ihrer anfangs brüchigen Stimme schlug ebenfalls um. Sie hörte sich aufgebracht und wütend an. Doch Bea ließ sich davon nicht beeindrucken und schoss mit gleichen Kalibern zurück.
Irgendwann verstummte JDs Stimme am anderen Ende und Beas Tonlage  wurde wieder ruhiger. Bea redete ernst und bestimmend auf JD ein und diese antwortete nur dann, wenn Bea Fragen zu stellen schien. Izzy war verwirrt, er verstand nichts und diese ganzen verschiedenen Stimmungen konnte er sich nicht erklären. Vielleicht war er auch von dieser ganzen Situation einfach nur  überfordert. Mit fragendem Blick beobachtete er Bea bis diese schließlich das Telefonat beendete. Für einen Moment herrschte Stille im Raum und Bea saß einfach nur da und starrte auf ihr Handy. Nachdenklich, als wenn sie nach den richtigen Worten suchen würde, blickte sie auf.
„Du wirst mit ihr reden können, sie wird für eine Show zurückkommen,“ sprach sie dann mit einer ruhigen und wesentlich freundlicheren Stimme. Izzys überraschter Blick ließ sie kurz schmunzeln, doch ihr Gesicht nahm augenblicklich wieder einen ernsten Ausdruck an. „Sie meinte, dass es nicht an dir gelegen hätte und sie gerne mit dir zusammen wäre, aber das nicht geht, weil du eben in einer Boyband bist. Ich glaube, sie befürchtet, dass sich das mit deinen Fans wiederholen könnte, was sie mit Toms Fans durchgemacht hat, zumindest kam es bei mir so an. Sie hat ziemlich ausweichend geredet,“ versuchte Bea das Gespräch wiederzugeben und schenkte ihm einen entschuldigenden Blick.
In Izzy machte sich erneut Enttäuschung breit. Wieso nur dachte sie so was. Er hatte ihr doch zu  verstehen gegeben, dass es nach außen hin keine Veränderungen geben würde. Unbewusst entluden sich seine Gefühle in dem Kissen was vor ihm lag. Seine Hände krallten sich krampfartig in den Stoff. Er sprach es nicht aus, aber Bea spürte und sah es. Vorsichtig legte sie ihre Hände auf seine, die das Kissen bearbeiteten. „Hey Izzy, sie wird noch einmal wiederkommen. Wir haben in einer Woche einen wichtigen Auftritt bei der Verleihung, wo ihr auch auftretet. Der Auftritt ist sehr wichtig für unsere Band  und sie hat mir gerade versprochen uns da nicht hängen zu lassen. Sie wird da sein und...“, „... und sie wird sicherlich nicht mit mir reden wollen,“ unterbrach er Bea und seine Augen schauten sie traurig an. „Du wirst sie schon dazubringen, dass sie dir zuhört. Ich habe es doch auch gerade geschafft,“ lächelte sie ihn aufbauend an. Sie verschwieg ihm, dass sie nur kommen wollte, wenn Izzy nicht da sein würde, aber sie verriet Izzy, dass sie für JD wohl glaubwürdig behauptet hatte, dass Izzy einen Showreifen Abgang hingelegt hätte und selbst in den Flieger Richtung Amerika gestiegen sein. Beas Schilderung ließ ein leichtes Lächeln über seine Lippen huschen. Aber in ihm war weiterhin die Frage, wie er nur mit ihr reden sollte. Wie und wann sollte er an sie herankommen. Seine Bedenken und seine Unsicherheit ließ Bea auflachen. „Izzy, es ist ja nicht so, als wenn ich da nicht auch drüber nachgedacht hätte, bzw. ist mir das während des Gespräches in den Kopf gekommen, aber Tante Bea hat auch hierfür eine Lösung parat.“
Sie erkläre ihm, dass das sie bei der  Veranstaltung eine Auszeichnung für ihr Comeback erhalten würden und dass sie um die Fans nicht zu verunsichern unbedingt mit JD auftreten müssten. Denn wenn JD einfach so verschwinden würde, dann entständen zu viele Gerüchte und letztendlich würde das die Band kaputt machen. Die Wild Confusion Fans wussten, dass sie gehen würde, aber sie hätten eine anständigen Abschied verdient, auch um zu zeigen, dass es keine Probleme innerhalb der Band und Familie gab, sondern das es einfach eine Entscheidung von JD war.
Das hatte diese auch sofort eingesehen, aber auch im gleichen Atemzug ihre Zweifel auf Izzy treffen zu können angemeldet, weil US5 ebenfalls als Newcomer da vertreten sein sollten.
Bea war dann der Blitzgedanke  gekommen, dass Izzy nach seinem Ausraster ebenfalls die Koffer gepackt haben könnte und  auf und davon war. Sie brachte es so glaubhaft rüber, dass JD sich dann doch bereit erkläre noch diesen einen letzten Auftritt mitzumachen.
Das Gefühl von Hilflosigkeit, was er zuvor verspürt hatte, schlug um. Er war Bea unendlich dankbar für deren Einsatz. Um einiges überzeugter, dass das Treffen und das Gespräch mit ihr wirklich stattfinden könnte, zog er Bea in seine Arme und flüsterte ihr ein Danke ins Ohr.
Überrascht von seiner Aktion löste sie sich wieder von ihm. „ Hey, ich tu das nicht nur für euch, Finn wird mitkommen um sicherzugehen, dass sie auch wirklich zur Veranstaltung wieder bei uns ist.“ Grinste sie Izzy schelmisch an.
Sein Frust was weg und der Tatendrang kehrte zurück. Er hatte jetzt einfach keine Zeit um Trübsal zu blasen. Er musste sich mit Bea zusammen überlegen, wie er an sie herankam.
Sie überlegten sich die verschiedensten und teilweise auch abwegigsten Möglichkeiten. Beas Idee ihn einfach von der Decke abzuseilen um dann in einer Punktlandung neben ihr aufzutauchen und das ganze direkt auf der Bühne für alle klären zu können, damit dann auch alle gleich wussten was los war, ließ Izzy auch wieder lachen. Er hatte sich lachend zurückfallen lassen bei der Vorstellung, wie er da durch den Saal schweben würde und dann neben ihr abstürzt. Doch plötzlich verstummte sein Lachen. Er richtete sich auf und der ernste Blick ließ auch sie verstummen. „Bea, dass ist es, ich weiß wie es gehen könnte,“ brachte er ernst rüber und  die Überzeugtheit, die in seiner Stimmte mitschwang, ließ in ihr keinen Zweifel aufkommen, dass es wirklich eine richtig Gute Idee sein würde.
 
 
 
 
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Die halbe Nacht hatten sie noch hin und her überlegt, bis die Planung für das Treffen stand. Sie versuchten im Vorfeld jede Möglichkeit auszuschließen, dass JD mitbekommen könnte, dass er nicht abgereist, sondern ebenfalls auf der Veranstaltung war.
Irgendwann waren sie dann eingeschlafen und Izzy hatte Widererwarten gut schlafen können, was vielleicht auch daran lag, dass Bea die Nacht bei ihm geblieben war.  Er war trotz des Wissens um das Treffen, in dieser Nacht nicht in der Lage gewesen, alleine zu bleiben und auch Bea war es mehr als recht gewesen, in dieser Nacht nicht alleine zu sein.
Diese ganzen Erinnerungen an das letzte Wochenende liefen vor seinem inneren Auge ab, als er an diesem Morgen vor dem Spiegel stand. Er hatte die letzte Nacht vor Aufregung und Unsicherheit kaum Schlafen können und irgendwann hatte er einfach beschlossen aufzustehen und sich ein ausgiebiges Bad zu gönnen. Aber auch das weckte nur Erinnerungen an die letzte gemeinsame Nacht mit JD. Sie fehlte ihm und er hatte nach wie vor das Gefühl, dass sie einen Teil von ihm mitgenommen hatte. Die Leere in ihm wusste er einfach nicht zu füllen.
Er stand vor dem Spiegel und sag sich selbst in die Augen. Er hatte nie gedacht, dass er sein Herz mal so verschenken würde, geschweige denn, dass er mal so leiden würde, wegen einem Mädchen. Aber das tat er definitiv, er konnte sich noch so anstrengen, dass es nach außen hin nicht all zu sehr auffiel, im Inneren hatte er eine klaffende Wunde, die er mit nichts zu behandeln wusste.
Heute war nun der entscheidende Tag. Heute durfte einfach nichts schief gehen. Es würde sicherlich die letzte Chance sein, mit ihr reden zu können.
Er zupfte sein Bandana zurecht und setzte sein Cappy auf. Er versuchte ein cooles Grinsen, was aber eher misslang und verließ das Bad.
Seit dem Telefonat hatte sie stundenlange Gespräche mit Finn geführt und es hatte unheimlich gut getan mit Jemanden zu reden, der neutral war, was das Showgeschäft und überhaupt ihrem Leben gegenüber anging. Er  hatte ihr deutlich gemacht, wie wichtig dieser Auftritt für ihre Familie wäre und das sie auch eine Verpflichtung ihren Fans gegenüber hätte nach alle den Jahren der Treue. Seine Mutter und er hatten JD gepflegt und umsorgt, weil sie sich durch das Schlafen auf der Treppe vor dem Haus doch eine ziemlich starke Erkältung zugezogen hatte. Diese familiäre Atmosphäre hatte ihr gefallen. Ja, so wollte sie leben, dieses Gefühl von zu Hause sein, hatte sie vermisst, auch wenn ihr ihre Geschwister fehlten. Aber ob sie zusammen mit ihrer Familie je so leben wurde, war eher unwahrscheinlich.  Sie waren einfach alle zu sehr mit dem Showgeschäft verwurzelt, als dass sie von heute auf morgen so einfach ein normales Leben leben konnte ohne dabei unglücklich zu werden.
Am Flughafen waren ihr erneut Zweifel gekommen, ob sie diesen letzten Auftritt wirklich machen konnte, aber Finn ließ ihr keine Zeit. Er hatte alles akribisch geplant, denn er wusste, dass sobald JD zur Ruhe kommen würde am Flughafen, ihre Gedanken und Erinnerungen sie zurückkehren und sie am Ende vielleicht nicht fliegen würde.
Im Flugzeug war sie immer ruhiger geworden. Das schlechte Gewissen, was Finn ihr gegenüber hatte, weil er wusste, dass sie auf Izzy treffen würde, kam wieder hoch, aber es gab kein zurück mehr und die Gespräche mit ihr hatten ihm gezeigt, dass sie dieses Kapitel zumindest vernünftig beenden musste um irgendwann glücklich zu werden. Er hatte ihr irgendwann angeraten, einfach ihre Gedanken in eine Art Brief zusammen zufassen auch, wenn sie ihm diesen Brief wohl nie geben würde, so könnte sie somit vielleicht zumindest ihre Gedanken ordnen.
Im Flugzeug hatte sie ihrem „Brief“ noch abschließende Worte hinzugefügt. Denn auch wenn sie es sich nicht vorstellen konnte, so wünschte sie sich in ihrem Inneren doch, dass er an diesem Abend anwesend sein würde. Dass alles was passiert war, ihre „Flucht“ und ihr Kontaktbreak einfach nur ein böser Traum wäre. Je mehr sie ihre Gefühle aufs Papier gebracht hatte, desto mehr wurde ihr bewusst, wie sehr sie ihn vermisst. Dennoch gab es ein Teil in ihr, der ihn nie wieder sehen wollte, weil er einfach Emotionen und Handlungen in ihr hervorgerufen hatte, die sie sich und ihrer Umwelt schon gar nicht, erklären konnte. 
Jetzt saß sie in der Garderobe mit ihren Geschwistern und wartete darauf den Auftritt hinter sich zu bringen. Sie hatte mit ihrer Familie nicht weiter über ihr verschwinden geredet. Alle vermieden das Thema, aber dennoch kümmerten sie sich rührend um sie. Sie sorgten dafür, dass sie alles, was sie brauchte bekam und sie nicht weiter aus der Garderobe raus musste. Sie wollte das auch um jeden Preis vermeiden, denn US5 waren, wenn auch ohne Izzy, der mit einer Verletzung entschuldigt wurde, ebenfalls anwesend. Sie wusste, dass in Wirklichkeit sie wohl der Grund für seine Abwesenheit war, da er, so wie sie es von Finn erfahren hatte, nach einem Wutausbruch die Koffer gepackt und vorzeitig in den Weihnachtsurlaub zu seiner Familie nach Amerika geflogen war.
Ein Assistent kam schließlich und brachte die Band zur Bühne. Sie würden eine neue Ballade singen, die JD bereits vor einiger Zeit geschrieben und aufgenommen hatte. Dieses Lied hatte sie eigentlich nie veröffentlichen wollen, aber alle waren davon begeistert gewesen und sie hatte nie erwähnt, was sich hinter diesen Zeilen verbarg.
Nervös versuchte sie sich auf ihren Auftritt zu konzentrieren. Es würde für sie das letzte Mal sein, dass hatte sie sich geschworen, aber dieser Schwur machte es ihr nun auch nicht leichter, denn was würde danach kommen.
JD atmete tief ein und aus. Sarah und Bea standen neben ihr und wie auf Kommando wurde sie von beiden umarmt. Sie wünschten sich Glück und schon wenige Sekunden später war es soweit. Ein tosender Applaus begrüßte sie und die ersten Klänge des neuen Liedes ertönten. Sie ging langsam auf ihre Position, denn ihre Geschwister hatten, warum auch immer auf so etwas wie eine kleine Choreografie bestanden.  Im halbdunklen saßen Tänzer und warteten darauf, dass die Mädchen sich zu ihnen gesellten und ihre Show zu Performen begannen. JD hatte sich bereits nach wenigen Takten in das Lied eingefunden und war wie immer absolut auf ihren Auftritt konzentriert, doch als sie sah, wer ihr Tänzer war, dachte sie sterben zu müssen. Warum taten sie ihr so was an? Wieso war er hier und nicht in Amerika, so wie es alle anderen behauptet hatten. Sie spürte die Blicke ihrer Geschwister auf sich. Das war doch nicht fair. Bewegungslos stand sie vor ihm und er sorgte schließlich dafür, dass sie die Choreografie weiterführte, in dem er ihre Hand nahm und sie zu sich auf den Schoß zog, so wie es für alle vorgesehen war. Er konnte spüren, wie ihr ganzer Körper zitterte und sie alle Mühe hatte sich weiterhin auf den Text und aufs Singen zu konzentrieren, aber sie war Profi genug, es so gut es eben ging nicht nach außen hin zu zeigen.
Kaum war das Lied vorbei und das Licht erloschen, riss sie sich von ihm los und rannte davon. Sie war darauf nicht im geringsten vorbereitet gewesen und seine Nähe und Berührungen waren für sie fast unerträglich gewesen. Sie musste weg einfach nur weg, doch sie konnte hören wie er hinter ihr herlief und schließlich spürte sie seine Hand an ihrem Handgelenk und im selben Augenblick zog er sie auch schon herum. „Lass mich los,“ zischte sie kaum hörbar und unter Tränen, doch er schüttelte nur seinen Kopf. 
Nein, dieses Mal würde er sie unter keinen Umständen einfach so gehen lassen. Ok, dieser Auftritt war nicht fair gewesen, aber weder er noch ihre Geschwister hatten sich anders zu helfen gewusst. Er hatte sich auf ihr wegrennen eingestellt. Schnell hatte er sie eingeholt und zum stehen bleiben gebracht. Er sah, wie die Tränen über ihre Wangen liefen, aber er konnte auch spüren, wie die Wut in ihr aufstieg, aber das war ihm egal. Er würde sie so nicht wieder gehen lassen. Er hatte Fragen und er wollte darauf Antworten von ihr. Das war sie ihm einfach schuldig.
 
 
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Sie begann um sich zu schlagen und zu schimpfen in einer Sprache die Izzy nicht zu zuordnen wusste, aber dass war ihm auch gerade egal. Er hatte genug damit zu tun, nicht von ihr getroffen zu werden. Wenn diese ganze Aktion auch vielleicht nicht zu dem gewünschten Ziel führte, ihr geballtes Temperament  hatte er dann zumindest einmal vom nahen kennengelernt. Er versuchte wieder näher an sie heranzukommen, was aber mit einem für ihn schmerzhaften Tritt bestraft wurde. Jetzt hatte sie seine Nerven genug strapaziert. Er war mit seiner Geduld am Ende und ihr Verhalten machte ihn wütend. Er hatte nun seinerseits Mühe, nicht seine geballte Wut an ihr auszulassen. Er griff zielsicher ihre Handgelenke und ehe sie sich versah hatte er sie unsanft an die Wand gedrückt. „Es reicht,“ brüllte er sie jetzt schon fast an. „Lass mich los,“ gab sie nicht minder aggressiv zurück, aber er zeigte sich unbeeindruckt. „Nein,“ kam es von ihm hart zurück. Sie versuchte sich erneut zu befreien und bei dem Anblick, wie Izzy JD in die Mangel nahm, ließ Leon zweifeln, ob dass alles so richtig war. Alle konnte die aggressive Stimmung spüren und als JD von Izzy gegen die Wand gedrückt wurde, war Leon schon im Begriff einzugreifen, aber Sarah hielt ihn zurück. „ Lass ihn, ich glaube, dass ist die einzige Sprache, die sie gerade versteht, sonst kommt sie eh nicht runter von ihrem Wutausbruch,“ versuchte Sarah Izzys Handeln in Schutz zu nehmen.
„Lass mich los, ich will weg hier,“ zischte JD erneut, allerdings war ihre Gegenwehr bereits um einiges schwächer. „Nein, du bleibst. Du kannst nicht einfach so weglaufen, dieses Mal nicht. Ich will mit dir reden. Einfach nur reden,“ seine Stimme war ernst, aber er sprach jetzt wieder etwas ruhiger. JD hatte in ihrem Wutausbruch vor lauter Tränen kaum etwas erkennen können, aber jetzt wo sie sich etwas beruhigt hatte, erschrak sie. Izzy war am weinen. Ihm liefen ebenfalls die Tränen übers Gesicht. Er war mindestens genauso in Rage wie sie und diese Begegnung mit ihr hatte auch an seine Nerven gezerrt. „Lass mich bitte los,“ wisperte sie und ihre Augen sagten ihm, dass er ihr vertrauen konnte. Langsam ließ er seine Hände sinken. Kaum hatte er sie losgelassen, ließ sie sich weinend in seine Arme fallen. Hemmungslos flossen nun bei beiden die Tränen. Nur langsam konnten sie sich wieder beruhigen. Die Nerven lagen einfach blank. Die Anspannungen beiderseits fielen nun langsam ab. „Lass mich nicht mehr los,“ hörte Izzy JD leise wispern und ließ ihn trotz allem schmunzeln. „Oh man, Babe, du machst mich fertig,“ gab er gespielt gequält zurück, aber verstärkte gleichzeitig seine Umarmung. „lass uns einfach reden, Ok?“ Bestand er dann weiterhin auf sein Anliegen und löste sich leicht von ihr um sie ansehen zu können. „Ok,“ gab sie müde nach. Sie wusste, dass er nicht locker lassen würde. Dafür war es ihm zu wichtig und auch wenn sie es wohl nie zugegeben würde, aber sie hatte nach dem sie den Schreck plötzlich vor ihm zu stehen und dank seiner hartnäckigen Art, diese Umarmung von ihm genossen. Er hatte irgendwas an sich, was sie innerlich beruhigte und sie sah ein, dass er irgendwie ein Recht auf Antworten hatte, auch wenn sie sich eigentlich jetzt schon sicher war, dass sie auch dieses Mal wieder Antworten schuldig bleiben würde. Es gab einfach Dinge,  die sie nicht erklären konnte. Nicht etwa, weil sie nicht wollte, sondern weil ihr einfach die Worte dafür fehlen. Wie sollte sie ihm verständlich erklären, dass sie trotz ihrer Gefühle, die sie unbestritten für ihn hatte, nicht mit ihm zusammen sein konnte, wenn sie es selbst schon kaum verstand. Finn hatte darauf getippt, dass sie einfach Angst hatte, weil es für JD wohl das erste Mal war, dass sie wirklich so starke Gefühle für jemanden entwickelt hatte.
Gregor, der etwas abseits gestanden hatte, erkannte, dass sich die Lage wohl entspannt hatte und gesellte sich langsam dazu. Er erkundigte sich leise, ob soweit alles  in Ordnung wäre und gab als dieses bejahrt wurde, beiden zu verstehen, dass er sie woanders hinfahren würde. JD guckte kurz zu Sarah, die ihr aber nur nickend zu verstehen gab, dass ihre vorzeitige Abfahrt Ok ging.
Im Auto saßen sie schweigen auf der Rückbank. Izzy hatte nach wie vor einen Arm um sie gelegt und sie war sich nicht sicher, ob er das machte um sicher zu gehen, dass sie nicht vielleicht doch noch eine Möglichkeit nutzen würde um sich aus dem Staub zu machen. Mit seiner freien Hand hatte er ihre umschlossen und sein Daumen streichelte unentwegt über ihren Handrücken. Sie hatte ihren Kopf an seine Schulter gelehnt und mit geschlossenen Augen wartete sie darauf, dass Gregor sie zum Hotel brachte. Sie konnte gar nicht glauben, dass sie alle in einem Hotel waren und dass alle so dicht gehalten hatten, dass sie nicht mal ansatzweise irgendwas mitbekommen hatte.
Im Hotel angekommen, machten sich beide gleich auf den Weg in ihr Zimmer. Izzy beobachtete an der Wand zu ihrem Bett stehend wie sie auf dem Bett in ihrer Tasche herum wühlte, bis sie schließlich ein Notizbuch hervorzog. Sie sah, weiterhin schweigend, kurz zu ihm auf, dann fiel ihr Blick wieder auf das Buch. Dort hatte sie bis kurz vor der Abfahrt zum Auftritt noch Gedanken verfasst. Gedanken über Izzy, über ihre Gefühle und über ihr plötzliches Verschwinden. Sie erhob sich von Bett und reichte ihm das Buch. „Lies es, vielleicht sind da die Antworten drin, die du suchst,“ sprach sie leise und ließ sich auf der Bettkante nieder. Izzy blätterte kurz durch die ersten Seiten. Dann ließ er sich an der Wand hinabgleiten. Er reichte ihr das Buch rüber. „Les es mir vor und lass uns dann darüber reden,“ sprach er ernst. Er wollte nichts von ihr lesen, er wollte mit ihr reden. Er wollte von ihr, aus ihrem Mund hören, was los war. Er angelte sich eine ihrer Hände. „Bitte,“ wisperte er jetzt schon fast flehend und seine Augen suchten ihren Blick, der sich durch seinen Wunsch mit Tränen gefühlt hatte. Sie ließ sich ebenfalls auf den Boden hinunterrutschen und saß ihm nun seitlich gegenüber. „Ich weiß nicht, ob ich das kann,“ flüsterte sie stockend und wischte sich mit ihrer freien Hand die Tränen aus den Augen. Vorsichtig legte er seine Hand an ihr Kinn und drehte ihren Kopf leicht in seine Richtung, so dass sie ihn angucken musste. „Babe, bitte. Versuch es zumindest,“ sprach er ernst, aber ein mildes Lächeln rundete es sanft ab. Sie sah in seine braunen Augen, die eine Wärme ausstrahlten, die sie schließlich zustimmen ließ. Ein weiteres Lächeln huschte über sein Gesicht und es verfehlte seine aufmunternde Wirkung nicht. 
JD atmete durch und schlug das Notizbuch auf. Ihr ganzer Körper spannte sich an. Sie spürte, wie eine unglaubliche Nervosität in ihr aufkam. Er sollte ja wissen, was in ihr vorging, aber dass er es nun von ihr vorgelesen hören wollte, darauf war sie nicht gefasst gewesen. Es waren ihre Gedanken und ihre Gefühle, aber dennoch fiel es ihr unsagbar schwer.
Izzy ließ ihr die Zeit die sie brauchte um sich zu sammeln. Er würde wenn es sein musste auch die ganze Nacht oder sogar noch länger warten. Ihm kam es jetzt auf einige Minuten nicht mehr an. Er wusste, dass sie alle Zeit die sie brauchten auch haben würden, denn er würde erst nach diesem Gespräch in seinen Weihnachtsurlaub nach Hause fliegen. Sie hatten alles mögliche gedanklich durchgespielt, als sie in der Nacht nach ihrem verschwinden die Pläne für genau dieses Treffen ausgearbeitet hatten. Jetzt war genau dieser so von ihm herbeigesehnte Augenblick eingetreten und er wollte erst wieder das Hotelzimmer verlassen, wenn er sich sicher war, dass sie wirklich alles geklärt hatten. Das war sie ihm aber auch sich selbst einfach schuldig, egal wie es zwischen ihnen am Ende ausging. Er wollte einfach nur Klarheit und da musste sie einfach durch, auch wenn es ihr sichtbar schwerfiel.
Sie starrte die erste von ihr beschriebene Seite an. Ihre Nerven spielten verrückt. Der Klos in ihrem Hals schien immer weiter anzuschwellen. Sie blickte erneut zu ihm auf. Er hatte seinen Kopf an die Wand angelegt, aber sein Blick lag weiterhin auf ihr. „Erneute Flucht unmöglich?“ Flüsterte JD leise und ein warmes Lächeln legte sich auf seine Lippen. „Fang einfach an,“ sprach er ihr erneut Mut zu und drückte dabei leicht ihre Hand. Sie holte tief Luft und mit brüchiger Stimme begann sie leise und im ersten Moment für ihn kaum hörbar zu lesen.
 
 
 
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Nur langsam gewann ihre Stimme an Festigkeit. Kurz glitten seine Gedanken ab, er konnte sich nicht erinnern sie schon einmal lesen gehört zu haben. Ihr Brief begann mit der ersten Begegnung, wo sie sich kennengerlernt hatten. Vor Izzys geistigem Auge liefen Bilder des ersten Treffens ab. Es waren schöne Erinnerungen und heute bereute er im Nachhinein nichts. Auch nicht, dass er sie einfach geküsst hatte und somit wohl alles so richtig ins Rollen gekommen war mit ihr. Auch ihre Zeilen über den Morgen danach, wo sein Handy geklingelt hatte und sie somit dann doch nicht miteinander geschlafen hatten, fanden Erwähnung in ihrem Brief. Er wusste, dass es für JD damals eine merkwürdige und auch verletzende Situation war. Er hatte, wenn er darüber nachdachte immer noch ein schlechtes Gewissen. Er hatte ihr absichtlich verschwiegen, dass er eine Freundin hatte, warum wusste er nicht einmal mehr, nur, dass er JD unbedingt näher kennenlernen wollte. Ihm war sofort klar gewesen, dass sie was besonderes war. Ihr Temperament hatte ihn fasziniert.
Sie erwähnte auch, dass es ihr sehr weh getan hatte, dass er sich nach der Bravo Supershow nicht gemeldet hatte, obwohl sie ihn mehrfach angeschrieben hatte. Dass sie Angst gehabt hatte, mehr  in die ganze Sache hereininterpretiert zu haben, als es am Ende vielleicht für ihn war.
In ihrem Brief hatte sie auch  beschrieben, wie es zu dem Portrait von ihm gekommen war. Dass sie ihn einfach so gemalt hatte ohne beim malen weiter darüber nachzudenken, was sie da gerade tat.
Er musste schmunzeln, dass war sie. Wenn sie malte war sie in einer anderen Welt. Sie beschrieb, wie sehr sie sich gefreut hatte, als er sich dann doch endlich bei ihr gemeldet hatte und auch er wusste wieder, wie gut er sich gefühlt hatte, als er sich überwunden hatte, sich doch bei ihr zu melden, trotz dass er eine Freundin hatte. Und er erinnerte sich wieder an seine Gedanken, dass er sich damit auf dünnem Eis begeben würde, was seine Beziehung anging.
Der nächste Punkt, der in ihrem Brief aufgeführt wurde, tat ihm weh. Sie sprach darüber  wie sie mit Tom zusammengekommen war, obwohl sie in ihrem Inneren gespürt hatte, dass das wohl die falsche Entscheidung gewesen war.
Alleine der Gedanken daran, wie er bei der THE DOME Veranstaltung hatte sehen müssen, dass JD und Tom ganz offensichtlich ein Paar waren, ließ sein Herz zusammen ziehen. Er hatte zwar ebenfalls Carly mitgehabt und wusste, dass JD ebenfalls unter diese Begegnung mit ihr gelitten hatten, aber was ihn ihm vorgegangen war, als er sah, wie Tom JD umarmt und geküsst hatte, konnte er nicht in Worte fassen. Die Begegnungen, die sie dann auf dem Dach hatten, waren sowohl für sie wie auch für ihn wohl das skurrilste und doch wohl das, was beiden die Augen über ihre Gefühle zueinander, geöffnet  hatten. Er hatte sie von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Dass sie auch eine total sensible und zerbrechliche Seite an sich hatte. Bei diesem Treffen waren so viele entscheidende Dinge vorgefallen. Das beeindruckendste war, wohl das Erlebnis im Treppenhaus. Es war einfach über sie gekommen. Sie hatten sich beide so frei gefühlt. Sie waren in ihrer eigenen Welt  und vielleicht hatte das in dem Moment auch dazu gefühlt, dass sie miteinandergeschlafen hatten. Er konnte ihren Worten nur zustimmen, dass es wohl so ziemlich das aufregendste und vielleicht auch das schönste Erlebnis war, was sie miteinander gehabt hatten, an diesem Wochenende.  Sie beschrieb auch, dass er ihr ein Gefühl von Sicherheit gegeben hatte, als Mikel und Richie so unverhofft aufgetaucht waren. Das hatte ihr gezeigt, dass sie ihm wirklich vertrauen konnte.
An den ganzen Ärger, den es wegen Mark und Mike wegen ihrer Weihnachtsshow gegeben hatte, konnte er sich noch zu gut erinnern. Auch da ließ sie in ihrem Brief zu, dass er von ihrer Enttäuschung und ihrem inneren Schmerz mehr erfuhr. Er dachte, dass er bereits wusste, wie sie sich gefühlt hatte, aber in diesem Brief wurde noch mal deutlich, wie schlecht es ihr da ging. Aber es wurde auch deutlich, wie wichtig es ihr gewesen war, dass er ihr in dieser Situation so sehr zur Seite gestanden hatte. Das war etwas, was Tom ihr nie hätte geben können.
Das war dann auch gleich das nächste Thema, welches sie in diesem Brief aufgearbeitet hatte. Es hatte sie sehr viel Energie gekostet und ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Die Fans von Tom hatten ihr das Leben verdammt schwer gemacht und sie hatte sich sogar von Izzy zurückgezogen, was ihm sehr weh getan hatte. Trotzdem war er für sie da gewesen und hatte nicht aufgegeben, sie aus ihrem Tief herauszuholen. Sie sprach von ihren Ängsten und wie sie dank Izzy und seines Durchhaltevermögens es geschafft hatte sich wieder zu fangen. Sie handelte diese Phase sehr schnell mit klaren und einfachen Worten ab, die Tränen liefen ihr dabei stumm die Wangen herunter.
Doch als sie dann die nächste Seite umblätterte, verstummte sie. Ihre Augen hatten die ersten Zeilen überflogen und jetzt, wo sie hier direkt vor ihm saß und ihm sogar noch ihren Brief vorlas, war sie sich plötzlich nicht mehr so sicher, ob er von dem Thema überhaupt was wissen sollte. Anderes herum ging gerade das Thema ihn was an.
Er legte eine Hand auf ihr Bein und nickte ihr aufmunternd zu. „Es tut mir leid,“ wisperte sie und noch bevor Izzy nachfragen konnte, was genau ihr leid tat, hatte sie auch schon wieder zu lesen begonnen. Mit zittriger Stimme las sie den Teil, wo sie glaubte von ihm schwanger zu sein. Ihre Worte hallten in seinem Kopf nach. Seine Gedanken begannen zu rasen, gerade so als ob sie in seinen Erinnerungen nach einem Gespräch oder einem Hinweis auf eine mögliche Schwangerschaft, suchten. Er konnte sich nicht erinnern und war sich sicher, dass sie nie über so etwas gesprochen hatten. Der Gedanke, dass sie hätte schwanger sein können erschütterte ihn. Sie war doch selbst fast noch ein Kind. Der nächste Gedanke sagte ihm, dass er daran Schuld gewesen wäre. Sie hatten jetzt schon einige Nächte miteinander verbracht, aber tatsächlich nie über so etwas wie Verhütung nachgedacht.
Er lehnte sein Kopf an die Wand und starrte das Muster an der Gardine an. Ihm fehlten die Worte. Das war nun wirklich eine Überraschung für ihn. Aber warum hatte sie ihm davon nichts gesagt. Erst recht nicht, weil sie doch auch danach wieder miteinander geschlafen hatten. Und warum war ihm das mit dem Verhüten in diesen Situationen nicht selbst in den Kopf gekommen, da er doch immer Kondome dabei hatte. Immerhin war sie noch verdammt jung um selber ein Kind zu haben. Gerade deshalb hätte ihm das schon viel eher mal in den Kopf kommen müssen, schallt er sich selbst.
Sein Blick glitt wieder auf JD, die das vorlesen unterbrochen hatte und nun lautlos ihren Tränen freien Lauf ließ. Izzy angelte sich eine ihrer Hände und drückte sie leicht. „Warum hast du nichts gesagt?“ Fragte er mit heiserer Stimme. „Was hättest du tun wollen, wenn du es gewusst hättest? Immerhin war ich ja dann doch nicht schwanger,“ gab sie leise schniefend  zurück und wischte sich über ihre Augen, damit sie Izzy wieder ansehen konnte. Wortlos zog er ihr den Brief aus ihrer Hand. „ Ich les den Rest später, Ok?“ Flüsterte er und schob ihn in seine Tasche. JD nickte nur stumm. Sie wagte es nicht ihn anzugucken. Sie hatte Angst. Angst, dass nun ihre Freundschaft, ihr Verhältnis zueinander entgültig kaputt war. Sie war zwar diejenige gewesen, die nachts einfach getürmt war und ihn mit all den Fragen allein gelassen hatte, aber das war ihrem Gefühl nach längst nicht so ein Break, wie er vielleicht jetzt durch diese letzten Zeilen entstanden war. Es beunruhigte sie, dass er einfach nichts sagte. Nichts zu sagen wusste. Sie fühlte sich leer und eine Kälte stieg in ihr auf. Hatte sie ihn damit jetzt verloren?
 Sie spürte seine Hand wieder die ihre nehmen und schaute kurz zu ihm. Er lächelte leicht und es wirkte fast schon aufbauend, auch wenn aus seinen Augen eine gewisse Enttäuschung sprach. „Babe, es tut mir leid,“ flüsterte er sanft und ihre Gedanken bildeten ein einziges großes Fragezeichen. Warum entschuldigte er sich bei ihr und wofür?
 
 
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Sie hatten noch lange nur alleine über das Thema Schwangerschaft und Verhütung geredet. Irgendwann hatte sie jedoch die Müdigkeit doch übermannt, da sie beide einen sehr langen Tag hinter sich gebracht hatten, und waren schlafen gegangen.
Wohl nur wegen der Müdigkeit war Izzy sofort eingeschlafen, denn bereits am nächsten Morgen kaum dass er erwacht war und JD neben sich liegen sah, kamen all seine Gedanken wieder hoch. So sehr es ihm auch weh tat, er brauchte erst einmal etwas Zeit für sich. Vorsichtig erhob er sich und suchte seine Klamotten zusammen um in sein eigenes Zimmer zu verschwinden. JD war trotz dass Izzy sich möglichst leise verhalten hatte, aufgewacht. Müde blinzelte sie und erschrak. „ Gehst du?“ Fragte sie leise und ein unangenehmes Gefühl machte sich in ihr breit. Izzy hockte sich neben ihre Bettseite und sah sie für einen Momentlang ein einfach nur an. Wie sehr hatte er es geliebt sie morgens aufwachen zu sehen, aber heute schmerzte es ihn. Er strich ihr sanft über die Wange. „Schlaf noch etwas. Ich geh nur auf mein Zimmer. Duschen usw.,“ gab er erklärend von sich und nach einem gehauchten Kuss auf ihre Stirn erhob er sich und verließ ihr Zimmer.
Jetzt stand er schon seit einiger Zeit unter der Dusche und das heiße Wasser rann an seinem Körper hinab. Mit geschlossenen Augen versuchte er wieder Kontrolle über sich zu bekommen. Die Tränen, die ihm dabei übers Gesicht liefen wurden von dem Wasser einfach davon gespült. Zu gerne hätte er damit auch seine Gedanken und seine Gefühle von sich abgewaschen. Es herrschte nach wie vor ein absolutes Chaos in ihm und es war fast noch schlimmer als vor diesem Treffen. Jetzt wusste er zwar was sie bewegte, aber er konnte trotz der Antworten, die sie ihm gegeben hatte seine Gedanken und Gefühle nicht ordnen. Er war so vertieft, dass er das Klopfen an der Badtür zuerst gar nicht wahr nahm. Nur langsam drangen das Geräusch und die Rufe zu ihm durch. Er drehte den Wasserhahn ab, kletterte aus der Wanne und hüllte sich in Handtücher, bevor er die Tür aufschloss. Vorsichtig wurde die Tür aufgeschoben und Chris linste um die Ecke. „Hey, alles in Ordnung?“ Gab er leise von sich und seinem Blick war anzusehen, dass er sich Sorgen machte. „Ja, geht schon“, erwiderte Izzy und versuchte seine Stimme so fest wie möglich klingen zu lassen, aber Chris konnte an seinen Augen sehen, dass nichts in Ordnung war. „ Wie ist es gelaufen? Habt ihr geredet?“ Hakte Chris weiter nach und schob die Tür ganz auf. “Jap, haben wir,“ gab Izzy nur knapp zurück und drängte sich an ihm vorbei. Schnell schlüpfte er in seine Klamotten ohne ein weiteres Wort zu verlieren. Am Schrank lehnend beobachtete Chris Izzy. Er konnte spüren, dass Izzys Gedanken gerade ein absolutes Chaos waren und als dieser dann zu seinem Koffer ging und eine Schachtel Zigaretten herauskramte, war das so etwas wie eine stumme Bestätigung seiner Vermutung. 
„Kommst du mit raus?“ Fragte Izzy und machte sich schon auf den Weg zum Balkon. Dieser war mit Glasscheiben nachgerüstet worden, so dass es wie ein kleiner Wintergarten wirkte.
Chris folgte Izzy. Während es sich dieser am Boden bequem gemacht hatte, lehnte Chris sich ans Geländer. Er schaute einige Momente hinaus auf die Stadt, die gerade erst zu erwachen schien. Er haderte mit sich, ob er es wagen sollte, Izzy zum sprechen zu bringen oder ob dieser dann wieder einmal ausflippen würde. Seine Überlegungen wurden je unterbrochen, als er die ersten Worte von Izzy vernahm. Etwas überrascht, dass dieser nun doch so ohne weiteres zu erzählen begann, drehte er sich um und ließ sich gegenüber von ihm nieder.  Stockend begann Izzy darüber zu berichten, was JD ihm vorgelesen hatte. Er gab nicht viel von ihren Gedanken preis, das konnte er einfach nicht, aber er sprach über die erwähnten Ereignisse und wie er die Dinge sah. Chris höre geduldig zu. Er hatte wohl noch nie so viele ernste Gedanken von Izzy gehört. Aber ihm entging auch nicht mit wie viel Liebe und Wärme er von JD sprach. Die Angst sie immer noch entgültig verlieren zu können, drang immer wieder durch.
Irgendwann war Izzy mit seinen Erzählungen an dem Punkt gekommen, wo es um die vermutete Schwangerschaft ging. Bei diesem Thema stoppte er. Es war klar, dass sie nicht nur Händchen gehalten hatten, aber er wusste nicht in wie weit Chris sich vorstellen konnte, dass da mehr zwischen ihnen gelaufen war.
Schweigend zündete er sich die nächste Zigarette an und betrachtete sie nachdenklich. „Sie hatte Angst schwanger zu sein,“ stieß er dann nach dem nächsten Zug aus und sah Chris ernst an.
Dieser konnte im ersten Moment Izzy nur ungläubig anstarren. „Schwanger? Von dir?“ Gab er dann erstaunt zurück und mit einem Mal kamen ihm wieder die Worte von Richie wieder in den Sinn. Sie hatten JD und Izzy zu suchen begonnen, als Carly beim The Dome dabei war und wieder einmal  Stress geschoben hatte, weil sich Izzy irgendwo mit JD hin verdrückt hatte. Richie war ihm schließlich entgegen gekommen und hatte ihm zugeraunt, dass Mikel und er  die Beiden gefunden hatten und dass Mikel die Vermutung hatte,  die Beiden hätten miteinander geschlafen. Irgendwie hatte er nie weiter über das Thema nachgedacht, weil ihn das nichts anging und sich die beiden da wohl auch kaum hätten reinreden lassen.
„Habt ihr nicht verhütet?“ Fragte er vorsichtig nach, denn eigentlich wurde es ja in jeder Teenyzeitschrift nahezu angepriesen, dass Izzy immer Kondome bei sich hatte und diese ja auch immer benutzte. Klar er wusste, dass in der Presse viel stand, aber irgendwie war so auch sein privates Bild von Izzy gewesen.
Izzy ließ seinen Blick über Chris gleiten und fixierte dann einen Punkt neben diesem an. Es war ihm im nachhinein schon peinlich, dass gerade er an so etwas wie Verhütung nicht gedacht hatte. „Nein, haben wir nicht. Nicht ein einziges Mal und ja ich weiß, dass es absolut verantwortungslos war und ist,“ gab er kleinlaut zu und seine Augen spiegelten so etwas wie Verzweiflung wieder. „Wenn wir miteinander geschlafen haben, dann war es, als wenn wir in unserer eigenen kleinen Welt waren,“ versuchte er sich zu rechtfertigen, aber Chris schüttelte nur verständnislos den Kopf. „Mensch Izzy, sie ist 16. Verstehst du 16! Da kannst du doch nicht einfach ohne Verhütung mit ihr schlafen, in der Hoffnung, dass alles gut geht,“ gab Chris zu bedenken und seine Stimme ließ Izzy wissen für wie ernst er das Thema hielt. „Das weiß ich auch,“ gab Izzy barsch zurück, merkte dann aber dass er Chris, für die Fehler, die er selber gemacht hatte, nicht so anherrschen konnte. „Sorry, ich weiß ja, dass du recht hast,“ setzte er entschuldigend nach.  

Er nahm einen letzten Zug von seiner Zigarette, bevor er sie im Aschenbecher ausdrückte. Schweigend zog er das Notizbuch aus seiner Tasche und schlug die Seite auf, wo sie am Abend zuvor gestoppt hatten. Seine Augen glitten über die Zeilen die JD dort fein säuberlich verfasst hatte. Chris erhob sich leise und zog sich ins Zimmer zurück. Er kannte Izzy nun schon lange genug um zu wissen, dass er jetzt alleine sein wollte um sich ganz auf das Geschriebene und auf seine Gedanken dazu konzentrieren zu können. Ab und an schielte er dennoch zu Izzy hinüber, der von seinen Emotionen überrollt wurde und nun seinen Tränen freien Lauf ließ. Immer und immer wieder wischte er sich mit seinem Handrücken über die Augen um weiterlesen zu können. Er wollte, egal wie schwer es ihm fiel, diesen Brief bis zu Ende lesen. Er musste einfach wissen, was in der Nacht vorgefallen war, dass sie ihn so überstützt verlassen hatte. Mit klaren und teilweise schon rationalen Worten umschrieb sie ihre Gefühle und ihre Gedanken, die sie in dieser besagten Nacht verspürt hatte. Aber sie beschrieb auch bis ins letzte Detail  ihre Ängste, die sie zum Verlassen getrieben hatten. Er konnte ihr Handeln nachvollziehen, auch wenn er sich nach wie vor von ihr gewünscht hätte, dass sie direkt mit ihm geredet hätte. Nachdenklich klappte er das Buch zu, als er die letzten Zeilen von ihr in sich auf genommen hatte. Gedankenverloren fingerte er eine weitere Zigarette aus der Schachtel und kurz überkam ihn der Gedanke, das er schon wieder viel zu viel rauchte, aber das brauchte er in den letzten Tagen einfach. Gerade als er den ersten Zug genommen hatte, bemerkte er, dass er nicht mehr alleine auf dem Balkon war.

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